Vereine
06.11.2019

Ohne Dachschaden keine Sterne

Verlegen «Der Revisor» in die Sowjetära: Co-Regisseure Jakob Müller, der auch die Rolle des Polizeimeisters spielt, und Chris Integra Meier. (Bild: Franz Beidler)

Verlegen «Der Revisor» in die Sowjetära: Co-Regisseure Jakob Müller, der auch die Rolle des Polizeimeisters spielt, und Chris Integra Meier. (Bild: Franz Beidler)

Das Theaterensemble Dachschadengesellschaft bringt einen Klassiker der russischen Literatur zur Aufführung. «Der Revisor» feiert am Donnerstag, 14. November im Thea- terstudio in Olten Premiere.

Franz Beidler

Einen Schaden gibt es am Dach vom Gebäude an der Rötzmatt 8 in Olten nicht. Vom Vereinslokal der Dachschadengesellschaft aus wäre der zu erkennen, denn es befindet sich im obersten Stock. Der grosse Raum scheint es sich gewohnt zu sein, dem szenischen Arbeiten der Theatergruppe Platz zu bieten. In der Mitte steht ein hölzerner Schreibtisch, darauf ein rotes Telefon mit Wähl- scheibe, daneben eine kleine Lenin-Büste. «Unsere aktuelle Produktion «Der Revisor» spielt im Russland des Jahres 1962», erklärt Chris Integra Meier, Präsidentin der Dachschadengesellschaft und Co-Regisseurin des Stücks. Dorthin haben Meier und Jakob Müller in der Co-Regie «Der Re- visor» verlegt. «Als Hommage an den Autor des Stücks», erklären sie. Der Russe Nikolai Wassil- jewitsch Gogol gilt als einer der wichtigsten Vertreter russischer Literatur des 19. Jahrhunderts. Die Verwechslungskomödie «Der Revisor» schrieb er 1835. Darin gibt er die Abgründe systematischer Korruption der Lächerlichkeit des Publikums preis. Das Thema ist in der Sowjetära also gut aufge- hoben. «Gogol hatte einen scharfen Blick auf seine Mitmenschen und erkannte deren Eitelkeiten und Natur», sagt Meier. Daher sei das Thema zeitlos und bis heute omnipräsent. Die Inszenierung der Dachschadengesellschaft will sich aber nicht einfach über die menschliche Fehlbarkeit lustig machen, sondern auch das Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere aufzeigen. Premiere fei- ert das Stück am Donnerstag, 14. November um 20 Uhr im Theaterstudio Olten, wo auch die wei- teren drei Aufführungen von Freitag bis Sonntag, 15. bis 17. November stattfinden. Einen Tag vor der Premiere am Mittwoch, 13. November probt das Theaterensemble öffentlich. «Ohne Erfolgs- garantie», erklären Meier und Müller. Es könne Unterbrechungen oder Wiederholungen von Sze- nen geben. Zudem gibt es an diesem Abend keinen Barbetrieb.

Mit dem letzten Applaus

Die Arbeiten an «Der Revisor» begannen sogleich, als der Applaus für die letztjährige Produktion «Triumph der Liebe» verklungen war. «Nach dem Theater ist vor dem Theater», kommentieren Meier und Müller lachend. Nach Vorgesprächen bestimmten sie in der Co-Regie im vergangenen Januar, welches Stück zur Aufführung kommen soll. «Vorschläge für Stücke nehmen wir gerne entgegen.» Ein Markenzeichen der Dachschadengesellschaft sei es, dass nur klassische Autoren aufgeführt würden: Die Strahlkraft eines Shakespeares, Becketts oder Brechts muss gegeben sein. Im März folgte ein Schnuppertag auch für externe Schauspielinteressierte, bevor dann im Sommer die Proben begannen.

Bühnendeutsch auch in den Proben

«In sämtlichen Proben sprechen wir nur Bühnendeutsch», zeigt Meier den Eigenanspruch der Dachschadengesellschaft auf. Dieser spiegelt sich auch darin, dass Regie und Intendanz jeweils professionell ausgebildet sind. Die Gründerin der Dachschadengesellschaft Kerstin Schult bildete an der Oltner Schauspielschule sowohl Meier als auch Müller aus. Beide gehörten 2018 zur ersten Abschlussklasse der noch jungen Schauspielschule. Müller gründete 2005 als damals 18-Jähriger die Dachschadengesellschaft schon mit. «Seither verpasste ich nur zwei Produktionen, aus ter- minlichen Gründen», sagt er. Anders Meier: «Ich war lange nur Publikum der Dachschadengesell- schaft.» Erst mit dem Ende ihrer Schauspielausbildung übernahm sie das Präsidium und nun eben auch die Regie von «Der Revisor».

Weg mit Shakespeares altem Brunnen

Als eine erste Amtshandlung stiess Meier an, dass die Dachschadengesellschaft ihr Vereinslokal sortierte. «Im Frühling haben wir ausgemistet», sagt sie voller Elan, «das gab frische Luft.» Dann zählt Müller auf, was alles in der Mulde landete: «Der Brunnen aus Shakespeares «Was ihr wollt» und das Gefängnis aus dem «Drei-Rappen-Rock», unserer Adaption von Brechts Dreigroschen- oper und unzählige alte Stühle», sagt er, «Dinge halt, die über die Jahre gelitten und nicht mehr zu retten waren.» Die Dachschadengesellschaft mache vom Flyer bis zur Reparatur der Requisiten alles selber, denn das verfügbare Budget sei klein. «Wir sind ein tolles Team von Allroundern», bestätigen Meier und Müller und bekräftigen damit das optimistische Motto des Theaterensembles: «Je grösser der Dachschaden, desto klarer der Blick auf die Sterne.»

«Der Revisor»
Mittwoch, 13. November (öffentliche Hauptprobe), 20 Uhr
Donnerstag, 14. November (Premiere) bis Samstag, 16. November, jeweils 20 Uhr
Sonntag, 17. November (Derniere), 19 Uhr
Theaterstudio, Dornacherstr. 5, Olten

www.dsg-theater.ch

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