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20.11.2019

Doppeljubiläum mit Beethoven

«Ich hoffe auf viele Mäntel in der Garderobe», so André Froelicher zum Konzert des Stadtorchesters Olten am Sonntag, 24. November im Stadttheater. (Bild: Franz Beidler)

«Ich hoffe auf viele Mäntel in der Garderobe», so André Froelicher zum Konzert des Stadtorchesters Olten am Sonntag, 24. November im Stadttheater. (Bild: Franz Beidler)

Stadtorchester Olten: Zum 125-jährigen Bestehen des Stadtorchesters Olten setzt sich Dirigent André Froelicher selbst ans Klavier. Denn er leitet das Orchester seit genau zwanzig Jahren. Am Sonntag, 24. November erklingen im Stadttheater Olten zwei Werke von Ludwig van Beethoven.

Franz Beidler

Ludwig van Beethoven, der grosse Komponist, schrieb insgesamt neun Sinfonien. «Die will ich alle mal auswendig dirigiert haben», sagt André Froelicher, Dirigent, Komponist und Pianist. Der 60-Jährige unterrichtet Klavier an der Musikschule Aarau und dirigiert seit zwanzig Jahren das Stadt- orchester Olten. «Es fehlen nur noch die Dritte und die Vierte», hängt er mit vielsagendem Lächeln an. Dass er die dritte Sinfonie dirigieren wird, steht bereits fest: Am Sonntag, 24. November wird das Stadtorchester unter Froelichers Leitung die «Eroica», wie Beethoven seine dritte Sinfonie taufte, zum 125-jährigen Jubiläum des Stadtorchesters im Stadttheater Olten aufführen. Davor wird Froelicher auch als Pianist auf der Bühne wirken. Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in C-Moll dirigiert er vom Pianostuhl aus. «Die Doppelbelastung als Dirigent und Solist ist nicht einfach zu bewältigen», weiss Froelicher. «Vor einem Solisteneinsatz brauche ich einen Moment, um mich zu sammeln.» Den habe er nun nicht. In den Proben habe er gemerkt, dass er doch mehr Dirigent als Pianist sei und daher lieber das Orchester bis zum letztmöglichen Moment leite. «Glücklicherweise hat das Stadtorchester eine tolle Konzertmeisterin», sagt Froelicher. Die Frau an der ersten Geige ist Josephin Peemöller. Sie führt das Orchester, solange der Dirigent Klavier spielt. «Sie hält mir den Rücken frei», formuliert es Froelicher. Neben seinen Funktionen als Dirigent und Pianist tritt er auch als Komponist in Erscheinung, wenn auch nur kurz. «Die Kadenzen von Klavierkonzerten wurden früher eigentlich improvisiert, obwohl so mancher Komponist noch eine Version nieder- schrieb», erklärt Froelicher. Beethoven schrieb die Kadenz zum Klavierkonzert Nr. 3 sechs Jahre, nachdem er das Werk vollendet hatte. Froelicher wird aber seine eigens für den Abend kompo- nierte Kadenz spielen. «Das sind drei Minuten Uraufführung», sagt er lachend.

Intensives Notenstudium

«Beethoven hat in diesem Klavierkonzert viel Material angedeutet, dann aber nicht ausgeführt», analysiert Froelicher. Das sei die Inspiration zu seiner Kadenz. «Wenn ich Noten lese, sehe ich die Beziehungen, die zwischen ihnen möglich wären», beschreibt er das intensive Notenstudium, ein Dialog mit dem Komponisten, der dem Komponieren vorausgeht. «Eine mühselige Arbeit», findet Froelicher, «die zu körperlicher Spannung führt.» Musik hören würde er selten, «schon gar nicht das, was ich studiere.» Klang empfindet er als Rauschgift. «Besonders elektronische Klänge können so wirken.» Zu Studienzeiten in den USA der 1980er-Jahre experimentierte Froelicher mit einem «Synclavier», einem elektronischen Klangerzeugungssystem. «Ich tüftelte an neuartigen Tonleitern mit zehn, anstatt nur sieben Tönen.»

Klänge für die Swissair

Später komponierte er auf einem solchen Gerät in Zürich Jingles für Radio und Fernsehen. «Der Jingle für die Swissair waren wohl meine meistgespielten 25 Sekunden», kommentiert Froelicher lachend. Trotz der Klangexperimente ist er den herkömmlichen Noten immer treu geblieben. «Sie sind mein Treibstoff, ihr Studium lädt mich richtiggehend auf.» Das Notenstudium nehme den grössten Teil seiner Zeit als Dirigent des Stadtorchesters in Anspruch. Für das Konzert müssen dem Dirigenten drei Proben und eine Hauptprobe mit dem vollen Orchester reichen. Daneben kümmert er sich auch um administrative Arbeiten wie Noten bestellen und kopieren, das Programmheft gestalten oder Aushilfen für das Orchester organisieren. «Nur mit den Finanzen habe ich nichts zu tun», hängt Froelicher dankbar an. Das sei nicht seine Welt.

Zur Hälfte mit Profis besetzt

«Das Stadtorchester war immer schon angewiesen auf professionelle Zuzüger», erinnert sich Froelicher an seine Anfänge im Verein vor zwanzig Jahren. «Heute noch mehr, als früher.» Rund zwanzig Personen oder die Hälfte des Orchesters seien momentan auswärtige Profis. «Wir brau- chen mehr Streicher», so der Dirigent. Ausserdem wünscht er sich bessere Übungsräume in der Kantonsschule Olten. «Das Konzertjahr 2020 ist bereits geplant. Wer mitspielt, ist aber noch offen», zeigt Froelicher die alltäglichen Unsicherheiten des Stadtorchesters auf. Dennoch hat er in seinen zwanzig Jahren als Dirigent mehr als hundert verschiedene Komponisten zur Aufführung gebracht. Von den neun Beethoven-Sinfonien fehlt in Froelichers Palmares nach dem Sonntag, 24. November nur noch die Vierte. Zum zukünftigen Programm des Stadtorchesters meint er nur: «Das Orchester hat die Vierte bisher auch noch nicht aufgeführt».

Sinfoniekonzert 125 Jahre Stadtorchester
Sonntag, 24. November, 17 Uhr, Stadttheater, Frohburgstr. 1, Olten

www.stadtorchester-olten.ch

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