Vereine
22.01.2020

Vernetzung als Grundpfeiler

Stephanie Carolino (sitzend auf der Bühne) sorgte anlässlich der ersten Kulturkonferenz für einen Einblick in die Kulturlobby von Winterthur. (Bild: mim)

Stephanie Carolino (sitzend auf der Bühne) sorgte anlässlich der ersten Kulturkonferenz für einen Einblick in die Kulturlobby von Winterthur. (Bild: mim)

Pro Kultur Olten Es handelte sich nicht um ein Treffen von IT-Spezialisten, trotzdem fanden die Kunstschaffenden anlässlich der ersten Oltner Kulturkonferenz vom vergangenen Samstag neben einem Kulturstammtisch auch Gefallen an Trojanern.

Mirjam Wetzstein

Die Anwesenheitsliste an der ersten Kulturkonferenz vom vergangenen Samstag in der Schützi in Olten spiegelte das breite Wirkungsfeld von Pro Kultur wieder. Vertreten waren Veranstalter, aber auch Personen unterschiedlichsten Alters aus den Bereichen Kino, Theater, Musik, Kabarett und Literatur. An der ersten vom Verein Pro Kultur Olten einberufenen Kulturkonferenz erfuhren die Teilnehmenden, wie die Stadt Winterthur die Interessen von Kunstschaffenden vertritt und sie tauschten sich in Gruppen an Tischen zu verschiedenen Themen aus.

Grosser Zusammenhalt

In einer Notlage die Kräfte bündeln. Dieser Gedanke brachte aufgrund der finanziellen Lage der Stadt Olten und der daraus resultierenden ungewissen Zukunft für die Kulturlandschaft der Stadt und die städtischen Museen das Komitee «pro kultur olten» hervor. Im Herbst 2014 wurde der Verein gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, «die Oltner Kultur in all ihrer Vielfalt zu schützen, zu stärken und zu fördern», wie es auf der Vereinswebseite heisst. Tatsächlich habe sie im Herbst 2014 das Amt der Präsidentin in einer Art Hauruck-Aktion übernommen, so Regina Graber. «Ein Jahr später stellten wir mit der Zwischennutzung «Tattarletti» Künstler/innen einen Raum zum Arbeiten oder für Ausstellungen und in den vergangenen zwei Jahren in den Sommermonaten zwei öffentliche Kulturplätze unter freiem Himmel zur Verfügung. Ausserdem haben auch immer wieder Podiumsdiskussionen zu kulturpolitischen Themen stattgefunden», zeigte Graber auf. Der Vorstand musste aber auch Dämpfer hinnehmen, wie bei der Volksabstimmung über die Schaffung einer Kulturfachstelle im Jahr 2018, die auch unter den Kunstschaffenden für Diskussionen sorgte.

Zuerst im Inneren sensibilisieren

Ebenfalls finanzielle Gründe brachten die Winterthurer Kunstschaffenden Ende 2015 dazu, den Verein Kulturlobby Winterthur ins Leben zu rufen. Doch auch in Winterthur ist es nicht einfach, als Kulturinstitution zu bestehen. Dies wurde im Referat von Stephanie Carolino, Leiterin Marketing und Kommunikation sowie Mitglied der Geschäftsleitung beim Casinotheater in Winterthur klar. Die stellvertretende Geschäftsführerin des nicht subventionierten Casinotheaters Winterthur weiss nur zu gut wie es ist, wenn der Gastro-Betrieb das 350 Plätze zählende Kleintheater finanziell tragen muss. «Das ist nicht einfach ohne öffentliche Gelder», bestätigte sie und lobte den grossen Zusammenhalt der Winterthurer Kulturszene. «Die Arbeit der Kulturlobby Winterthur beginnt innen. Wir müssen zuerst den Einwohner/innen bewusst machen, was die Stadt kulturell zu bieten hat. Die Sensibilisierung für Kultur reicht deshalb von der Politik bis zur Bevölkerung», so Carolino.

Überlegte Einflussnahme

Aus dem Referat der Winterthurerin stach schnell hervor, wie wertvoll der persönliche Kontakt und wie wichtig Lobbyarbeit ist. So hat Vereinspräsidentin Jane Wakefield beispielsweise auch Einsitz im House of Winterthur, dem Zusammenschluss von Winterthur Tourismus und Standortförderung Region Winterthur genommen. «Es ist wichtig, nicht nur zu sagen, was nicht gut ist, sondern Entscheide auch mitzutragen«, betonte Carolino. Ausserdem fänden regelmässig Kulturstammtische statt, an welchen auch manchmal ein Stadtrat teilnehme. Die politische Vertretung am Anlass in Olten war indessen gering. Gerade mal zwei nicht bei Pro Kultur tätige Gemeinderäte hatten sich am Samstag in der Schützi eingefunden. «Die Kontaktpflege ist sehr wichtig, bedeutet aber auch viel Arbeit», so Carolino. Die Kulturlobby Winterthur betreibt eine Geschäftsstelle, die inzwischen ein Pensum von einem Tag pro Woche beinhaltet und das meiste des Budgets über 18’000 Franken verschlingt. Die Kulturlobby finanziere sich vor allem aus den Mitgliederbeiträgen. Momentan arbeitet sie an einem Kulturstadtplan, um mehr Sichtbarkeit zu schaffen.

Beziehung schaffen vor Forderung

Im Anschluss an das Referat diskutierten die Kunstschaffenden unter der Moderation eines Pro Kultur-Mitglieds an fünf Tischen die Themen «Kitt und Schulterschlüsse in der Oltner Kultur – Wunsch und Potenzial», «Oltner Kultur erreicht die Zugpendlerinnen und -pendler», «Lernen von anderen Städten – zum Beispiel von Winterthur», «Wie hast du es mit dem Sonntag, Olten?» und «Kultur unter freiem Himmel». Bianca Rathgeb begleitete den Nachmittag visuell mit Graphic Recording und das Reporting am Schluss übernahm der Oltner Mediensprecher Urs Bloch. Mehr Selbstbewusstsein, bessere Vernetzung und Sensibilisierung sind die meistgenannten Stichworte dafür, was Olten von anderen Städten lernen kann. Besonders bewundert wurde im Fall Winterthur das Lobbying, bei dem in verschiedenen Gremien Vertreter, einem Trojaner gleich, «eingepflanzt» wurden. Auch die Durchführung eines Stammtisches ist immer wieder genannt worden. Zugpendlerinnen und -pendler könnten beispielsweise mit dem Verteilen einer Agenda oder mit Informationen an einer Videowand erreicht werden. Zum Thema Schulterschlüsse war zu vernehmen, dass die Kunstschaffenden das Untereinander und die Zusammenarbeit als sehr gut wahrnehmen würden, doch das Miteinander gegen aussen eher schwierig sei. Deshalb wurde festgehalten, dass regelmässige Treffen, auch mit politischen Vertretern anzustreben sind. Eine Checkliste für Kultur unter freiem Himmel wurde genannt, um Klarheit und für alle dieselben Grundlagen zu schaffen. Eher wenig Diskussion gab es zum Sonntag, der gar nicht so schlecht sei, wie sein Ruf. Insbesondere für Kinder habe Olten mit dem Angebot von Museen und Theatern einiges zu bieten. Eventuell sei es sinnvoll mit dem Gewerbe zusammenzuspannen und eine Veranstaltung mit einem Brunch zu verbinden.

Vorstandsmitglieder gesucht

Um Pro Kultur vorwärts zu bringen, müsse Sichtbarkeit durch mehr Selbstbewusstsein und Ausdauer angestrebt werden, fasste Urs Bloch zum Schluss zusammen und schob Präsidentin Regina Graber mit der Frage «Wie viel ist mit Freiwilligenarbeit möglich?» den Ball zu. «Ich denke, dass die Vermittlerrolle wichtig ist und anscheinend braucht es viel Netzwerkarbeit, ausserdem scheint auch der Kulturstammtisch ein Bedürfnis zu sein», so Graber, die jedoch betonte, dass dafür helfende Hände nötig seien, nicht nur weil sie in naher Zukunft ihr Amt als Präsidentin abgeben möchte. Der Vorstand werde aus den Zusammengetragenen Ideen die nächsten Schritte erarbeiten, um Pro Kultur, respektive die Kulturschaffenden sichtbarer zu machen, so Regina Graber.

www.pro-kultur-olten.ch

 

 

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