Vereine
29.01.2020

Auf den Spuren Mozarts

«Mozart stirbt nie», so die Präsidentin des Vereins Schweizer Mozartweg Christina Kunz vor der Mozartstele beim Oltner Bifangplatz. (Bild: Franz Beidler)

«Mozart stirbt nie», so die Präsidentin des Vereins Schweizer Mozartweg Christina Kunz vor der Mozartstele beim Oltner Bifangplatz. (Bild: Franz Beidler)

Schweizer Mozartweg Jeden Monat finden in Aarburg Musikbegeisterte zusammen, um Wissenswertes über den Komponisten Mozart zu erfahren. Das nächste «Verweilen am Mozartweg» findet am Montag, 3. Februar statt.

Franz Beidler

Wird Christina Kunz auf den Schweizer Mozartweg angesprochen, kommt sie ins Schwärmen. Aber nicht jenes sprudelnde, überschäumende, das ihr Gegenüber erschrecken könnte, dafür ist die Aarburger Pianistin und Cembalistin zu erfahren. Als Gründerin und Präsidentin des Vereins Schweizer Mozartweg musste sie ihren Elan der Diplomatie Willen wohl schon tausende Male bremsen. So hält sie vor jedem Gedanken kurz inne, als wäge sie ab, ob wohl eher eine Idee oder eine Erinnerung, ein charmantes Lächeln oder ein gutmenschlicher Appell der Sache des Vereins dienlicher wäre. «Für Mozarts Musik sind alle Menschen aufnahmefähig», fasst sie die Haltung des Vereins in Worte. «Deshalb eignet er sich so gut, um Menschen für alle Arten von Musik zu begeistern.» Um diese Begeisterung zu entfachen, zeichnet der Verein Schweizer Mozartweg mit Stelen jene Route nach, die der Wiener Komponist Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1766 auf seiner Konzerttournee durch die heutige Schweiz nahm. Von Genf nach Lausanne, dann nach Murten und Bern und über Langenthal nach Brugg und Baden bis nach Schaffhausen reiste das damals erst zehnjährige Wunderkind und kam an insgesamt 120 heutigen Gemeinden vorbei, darunter eben auch an Olten und Aarburg. 25 davon konnten Kunz und die rund 70 Vereinsmitglieder bisher überzeugen, eine Stele aufzustellen, «die jüngste erst vor ein paar Tagen in Genf», sagt die nimmermüde Präsidentin. Daneben gestaltet der Verein auch einen monatlichen Anlass. Unter dem Titel «Verweilen am Mozartweg» finden im Gelwölbekeller des Zentrums Guthirt in Aarburg Referate und Konzerte zu Mozart oder mozartverwandten Themen statt. «Da finden sich immer rund fünfzig Leute ein», erzählt Kunz, «manche reisen sogar eine Stunde im Auto an.» Das nächste Mal verweilen Musikliebhabende am Montag, 3. Februar um 18 Uhr mit der Sängerin Brigitte Schweizer, die Mozart als Sänger und Gesangslehrer ergründen wird.

Ein Bildungsangebot schaffen

Mit den Referaten gelingt das Vorhaben des Vereins Schweizer Mozartweg: ein Bildungsangebot schaffen. Dieses Anliegen hegte Kunz schon seit 1991, als sie anlässlich des 200. Todestags von Mozart viele Schulhauskonzerte spielte. «Es war auffallend, wie viele Kinder Mozart nicht kannten», erinnert sie sich. «Auch verlor Musik an den Schulen damals an Stellenwert.» Den entscheidenden Wink vom Schicksal erhielt sie aber erst zwei Jahre später. 1993 war sie nach Aarburg gezogen und besuchte daher den Willkommensanlass der Gemeinde. «Da erwähnte der damalige Konservator Edi Wanitsch, dass Mozart in Aarburg war.» Als 2006 der 250. Geburtstag des Komponisten anstand, erinnerte sich Kunz an die Worte Wanitschs. «Jetzt wollte ich es genau wissen.» Also machte sie sich auf nach Bern in das Archiv von «Viastoria» und durchforstete tagelang Karten mit historischen Verkehrswegen. «Wenn man etwas tun muss, muss man es tun», meint sie lächelnd, aber bestimmt. Nach 48 Bundesordnern hatte Kunz herausgefunden, wo Mozart durchgereist war.

In einer alten Metzgerei zu Hause

«Dann konnten wir loslegen», erzählt Kunz. So wurde der Verein Schweizer Mozartweg ins Leben gerufen. Unter den ersten Mitgliedern fanden sich auch Altbundesrat Dr. Otto Stich und seine Ehefrau Gertrud. Am 26. August 2006 wurde die erste Stele in Aarburg eingeweiht. «Die Gemeinde Aarburg bot Hand an und auch der Oboist Hans Martin Ulbrich war eine enorme Hilfe», betont Kunz. Mit Ulbrich zusammen konzertierte sie denn auch am Einweihungsfest. Vis-a-vis der neuen Stele hatte Kunz bereits das Schaufenster einer alten Metzgerei erblickt. «Wir machen Veranstaltungen», habe sie sich noch am gleichen Abend gedacht. Zwei Jahre später, 2008, fand in den Räumen das erste «Verweilen» statt: Dr. Adolf Walter Meichle referierte zu «Einstein und Mozart», Kunz und Ulbrich machten Musik. Ganze zehn Jahre sollte der Verein Schweizer Mozartweg in der alten Metzgerei ein Zuhause finden. «Vor den Anlässen musste ich den Raum immer mit Elektroöfen heizen, aber ja nicht zu fest, denn sonst flog die Sicherung raus», erinnert sich Kunz schmunzelnd. Dann wurde das Haus verkauft und «Verweilen am Mozartweg» zog ins Zentrum Guthirt um.

Bundesrat feiert Mozartweg

2016, im Jahr des Umzugs, feierte der inzwischen etablierte Verein sein zehnjähriges Bestehen mit Feierlichkeiten in allen Gemeinden, die eine Stele unterhalten. «An der Feier in Morges nahm sogar Bundesrat Guy Parmelin teil», erzählt Kunz begeistert, nicht nur vom prominenten Gesicht. «Zürich und Winterthur müssen noch überzeugt werden», sagt sie. Feste mit Bundesräten gefallen Gemeindevertretern. «Im Moment beschäftigen wir uns aber mehr damit, das Erreichte für die Zukunft abzusichern», erklärt Kunz. Neue und langfristige Verträge sollen mit den Gemeinden ausgehandelt werden, so dass die Stelen nicht plötzlich verschwinden. «Wir möchten noch so vieles», seufzt Kunz. Die Stelen mit Hörstationen ausrüsten, diese Idee hege sie schon lange. Momentan findet sich an ihnen ein QR-Code, der zur Website des «Pedimo» führt, dem Fussweg, der die Stelen möglichst so verbindet, wie ihn auch Mozart gegangen ist. Damit auf seinen Spuren wandeln kann, wer sein grossartiges Werk hochhalten will. «Mozarts Musik ist etwas Besonderes, Unerklärbares», sinniert Kunz. «Sterben tut der nie.»<b/>

Verweilen am Mozartweg
«Mozart als Sänger und Gesangslehrer»
Vortrag von Sängerin Brigitte Schweizer
Montag, 3. Februar, 18 Uhr bis 19.15 Uhr
Zentrum Guthirt, Bahnhofstr. 51, Aarburg

www.mozartweg.ch

 

 

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