Vereine
13.05.2020

«Zum Glück sind bei uns alle gesund»

Tennisbälle und Desinfektionsmittel: Marco Meyer, Präsident des TC Froburg Trimbach, zeigt, wie Tennis nach der Coronapandemie aussieht. (Bild: Franz Beidler)

Tennisbälle und Desinfektionsmittel: Marco Meyer, Präsident des TC Froburg Trimbach, zeigt, wie Tennis nach der Coronapandemie aussieht. (Bild: Franz Beidler)

TC Froburg Der Tennisclub Froburg war bereit für ein grosses Tennisfest in Trimbach. Dann legte die Coronapandemie die Welt lahm. Seit vergangenem Montag darf in Trimbach nun wieder Tennis gespielt werden.

Von: Franz Beidler

Marco Meyer seufzt: «Wir befanden uns schon auf der Zielgeraden.» Der Präsident des TC Froburg spricht von den ersten Märzwochen dieses Jahres. Mitte März hätte der Trimbacher Tennisklub ein Turnier der ITF-Future-Tour austragen sollen. Die besten Spieler der zukünftigen Tenniswelt wären im Tenniscenter in Trimbach gegeneinander angetreten. Meyer, ebenfalls Kopf des Organisationsteams, hatte mit dem Mäzen Peter Buser einen dicken und medienwirksamen Sponsor an Land gezogen. Auch hatte er Gourmet-Koch Arno Sgier dafür gewinnen können, die VIP-Gäste zu bekochen. Tennisprofi Marco Chiudinelli hätte in einem Vortrag davon berichtet, wie es Roger Federer, Stanislas Wawrinka, Marco Lammer und ihm 2014 gelang, erstmals den Davis Cup für die Schweiz zu gewinnen. Ein Konzert von Opernstar Julia Schiwowa hätte das Rahmenprogramm abgerundet. Trimbach war bereit für ein internationales Tennisfest. «Die Coronapandemie hat uns ausgebremst», stellt Meyer nüchtern fest. Er habe zu dieser Zeit, wie für ihn üblich, mit Tunnelblick auf das Turnier hingearbeitet. «Ich arbeite gerne so», sagt der 38-Jährige. Von Kindesbeinen an sportbegeistert spielte er lange ehrgeizig Fussball, bevor ihn mehrere Verletzungen dazu zwangen, umzusteigen. Schwimmen, Velofahren, Joggen oder Golf vermochten ihn nicht so zu begeistern, wie Tennis, das er erst vor sieben Jahren entdeckte. Damals zog der gebürtige Thurgauer aus beruflichen Gründen nach Trimbach, wo er dem TC Froburg beitrat und nach kurzer Zeit im Vorstand das Präsidium übernahm. «Tennis ist die kompletteste Sportart», sagt Meyer. «Kondition, Technik, Taktik und mentale Fähigkeiten sind alle gleich wichtig.»

Weltweit kein Tennis mehr

Trotz aller Befürchtungen wegen der Coronapandemie war Meyer bis eine Woche vor dem ITF-Turnier überzeugt: «Wir ziehen es durch.» Er und das OK hatten schon für ein verkleinertes Turnier mit nur hundert Personen geplant. «Am Morgen des 12. März sagte der Internationale Tennisverband alle Turniere ab», erinnert sich Meyer. «Das war ein spezieller Moment, weil klar wurde, dass es bald weltweit kein Tennis mehr geben würde.» Am Mittag musste Meyer das Trimbacher Turnier absagen. Es folgten Telefonate mit Spielern in Deutschland, Italien, der Türkei und Japan. Am Abend warteten noch immer über hundert Nachrichten auf eine Antwort. «Danach lag ich eine Woche flach.»

Unter den besten Turnierveranstaltern

Neben einem Dämpfer der Tennisfreude bedeutete die Absage für den TC Froburg auch wirtschaftliche Einbussen. So fielen sämtliche Turnier- und Sponsoringeinnahmen weg. «Wir haben seit mehr als einem Jahr darauf hingearbeitet, uns unter den fünf besten Schweizer Turnierveranstaltern zu etablieren», sagt Meyer. «Wann wir wieder Turniere veranstalten dürfen, ist noch nicht klar.» Auch verlor das Interclub-Team des TC Froburg mit Sandro Ehrat einen Leistungsträger. Ehrat, als Tennisprofi wegen dem Stillstand selber in finanziellen Nöten, fand einen neuen Sponsor und verliess auf dessen Wunsch hin die Trimbacher. Dafür konnte Marco Chiudinelli als Trainer gewonnen werden. «Chiudinelli wird mindestens bis Herbst zwei Mal pro Woche unser Trimbacher Kader trainieren», verkündet Meyer stolz. Die Interclub-Spiele des Nati A-Teams werden voraussichtlich planmässig im August stattfinden. Die Spiele der tieferklassigen Teams wurden nun ebenfalls auf Ende Sommer verlegt.

Handschlag-Verbot: «Das tut weh»

«Wir versuchen, das Beste daraus zu machen», fasst Meyer die Stimmung im Klub zusammen. Seit Montag dürfen sich die rund 300 Klubmitglieder wieder zum Tennis treffen. «Dank Paul Baltisberger sind die Plätze bereit», windet Meyer dem Platzwart des TC Froburg ein Kränzchen. «Nun können wir unsere Angebote für Anfänger und Fortgeschrittene schrittweise wieder hochfahren.» Tennis erfülle die Anforderungen bezüglich Abstands-regeln und gesteigertem Gesundheitsbewusstsein optimal. «Gerade die Senioren sind aber sehr verunsichert», weiss Meyer. Der Klub hat deshalb einen eigenen Seniorenverantwortlichen bestimmt, der als Anlaufstelle dient. Auch hat der nationale Verband Swiss Tennis auf 19 Seiten neue Betriebsregeln festschreiben. «Regel Nummer eins: Genug Desinfektionsmittel», weiss Meyer. Weiter müssen Spielerinnen und Spieler zum Beispiel ihre eigenen Bälle mitbringen und dürfen jene der anderen nicht anfassen. Auch ist neu der Handschlag nach dem Spiel verboten. «Das tut weh, schliesslich ist das eine Geste des Fairplays und Ausdruck der gemeinsamen Freude am Tennis», kommentiert Meyer. «Aber es gibt eben Dinge, die noch wichtiger sind als Tennis, das wurde nun klar. Zum Glück sind bei uns alle gesund.»

www.tennis-trimbach.ch

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