Region
30.03.2022

Von Bauernführern und Gewerkschaftern

Der kleine Adam-Zeltner-Weg ganz zuoberst im Schöngrundquartier in Olten erinnert an den aus Niederbuchsiten stammenden Bauernführer. (Bilder: Achim Günter)

Der kleine Adam-Zeltner-Weg ganz zuoberst im Schöngrundquartier in Olten erinnert an den aus Niederbuchsiten stammenden Bauernführer. (Bilder: Achim Günter)

Region Welche Persönlichkeiten verbergen sich eigentlich hinter den nach ihnen benannten Strassen in unserer Region?

Von: Achim Günter

Zu den häufigsten Strassennamen in der Schweiz zählen Hauptstrasse, Dorfstrasse, Bahnhofstrasse, Industriestrasse, Schulstrasse, Kirchweg oder Poststrasse. Ebenfalls weit verbreitet sind Namen, die sich auf Bäume beziehen wie etwa der Birkenweg, die Lindenstrasse oder der Ahornweg. Oder ganz einfach Strassen, welche in die entsprechende Ortschaft führen. Beispiele hierfür sind etwa in Olten die Basler-, die Solothurner- oder die Aarburgerstrasse. Einer gewissen Popularität erfreuen sich auch Blumen – sehr häufig Rosen –, Flüsse, Berge und weitere Kategorien sowie natürlich ortsspezifische Flurnamen. Und dann gibt es noch jene Strassennamen, die an eine (meist verstorbene) verdiente Persönlichkeit erinnern.

Letztere sind auch in der Region Olten vertreten, wenn auch in eher bescheidenem Ausmass. Und Frauen sind bisher bloss auf Plätzen verewigt; jüngstes Beispiel hierfür ist der Metzina-Wächter-Platz an der Dünnern in Olten. Dieser Artikel aber soll sich um Strassen drehen, die sowohl einen Vor- als auch einen Nachnamen in der Bezeichnung tragen. Wer war beziehungsweise ist die jeweils namensgebende Persönlichkeit?

 

Frank Buchser-Strasse (Lostorf)

Dass in Lostorf eine Strasse nach Frank Buchser benannt ist, überrascht. Frank Buchser kam 1828 in Feldbrunnen-St. Niklaus zur Welt (auch dort gibt es eine Frank-Buchserstrasse). In Feldbrunnen starb er 1890 dann auch. Der 19-jährige Jüngling beschloss anlässlich einer Reise 1847, die ihn via Paris und Florenz nach Rom führte, Maler zu werden. Das nötige Kleingeld zur Finanzierung seiner Studien in Rom verdiente er sich als Mitglied der päpstlichen Schweizergarde. Seine Ausbildung vertiefte er anschliessend in Paris und in Antwerpen. Danach zog er oft herum, wirkte in Spanien, England, Italien und Griechenland, sogar in Marokko und von 1866 bis 1871 in den USA. Dazwischen hielt er sich regelmässig in seiner Schweizer Heimat auf und gehörte zum Beispiel 1865 zu den Gründern eines Berufsverbandes der Künstler. Von 1888 bis 1890 war Buchser zudem Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission. Und warum nun also die entsprechende Strassenbezeichnung in Lostorf? Eine nähere Verbindung zwischen Frank Buchser und Lostorf scheint es nicht zu geben. Laut Auskunft der Gemeindekanzlei Lostorf dürfte man seinerzeit die Strasse einfach nach einer bedeutenden Solothurner Persönlichkeit benannt haben. Bei Josef Reinhart verhält es sich übrigens genauso.

Adam-Zeltner-Weg (Olten)

Der Bauernführer Adam Zeltner ist die am frühesten lebende aller hier erwähnten Persönlichkeiten. Er lebte bereits im 17. Jahrhundert. 1605 wurde er in Niederbuchsiten geboren. 1629 heiratete er, 1640 erneut. Das Vermögen seiner zweiten Frau machte ihn zu einem der wohlhabendsten Bauern im Gäu. Er war auch als Schälismüller auf der Schälismühle in Oberbuchsiten tätig. Im Bauernkrieg wählte die Bauernversammlung in Olten den Wortführer der solothurnischen Aufständischen im April 1653 zum Landeshauptmann. Er taktierte in der Folge zwischen Bauern und Obrigkeit. Am 21. Mai 1653 nahm er am Zug nach Bern teil, worauf ihn die Solothurner Obrigkeit auf eidgenössischen Druck hin nach Zofingen auslieferte, wo er am 2. Juli 1653 hingerichtet wurde. Das exemplarische Urteil des Eidgenössischen Strafgerichts diente der Demütigung Solothurns durch Bern und Zürich. Bei der nach ihm benannten Strasse in Olten handelt es sich um eine recht kurze Stichstrasse zuoberst im Schöngrund-Quartier. Den Namen erhielt sie 1969.

Alfred Frei-Weg (Starrkirch-Wil)

In Starrkirch wird an den Komponisten und Lehrer Alfred Frei erinnert. Frei, 1887 geboren, stammt aus Mümliswil. Während seiner Lehrerausbildung wurde Frei von mehreren Lehrmeistern umfassend musikalisch geschult. In Starrkirch-Wil unterrichtete der Thaler während 40 Jahren; dabei wirkte er auch als Komponist. 1966 starb Alfred Frei in Starrkirch-Wil. Nach ihm benannt ist ein kleiner Fussweg.

Josef Reinhartstrasse (Lostorf)

Die Josef Reinhartstrasse in Lostorf hält die Erinnerung an einen bedeutenden Solothurner Mundartdichter wach. Reinhart stammt aus dem oberen Kantonsteil, aus Galmis in der Gemeinde Rüttenen. Dort wurde er 1875 geboren. Ab 1894 unterrichtete er in Niedererlinsbach (wo es ebenfalls eine nach ihm benannte Strasse gibt), ab 1900 dann in Schönenwerd an der Bezirksschule. Von 1912 bis 1945 wirkte er als Deutschlehrer am Lehrerseminar in Solothurn. Er schuf ein umfangreiches Werk in Solothurner Mundart – in Prosa und Poesie. Reinhart starb 1957 in Solothurn.

Louis-Giroud-Strasse (Olten)

1912, sieben Jahre vor seinem Tod 1919, wurde Louis Giroud zum Ehrenbürger Oltens ernannt. 1840 in Bern geboren, liess er sich am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich zum Ingenieur ausbilden. Von 1863 bis 1865 arbeitete Giroud als Konstrukteur in der Werkstätte der Schweizerischen Centralbahn in Olten unter Niklaus Riggenbach, dem in unmittelbarer Nachbarschaft im Säliquartier ebenfalls eine Strasse gewidmet ist. 1866 gründete Louis Giroud in Olten ein Ingenieurbüro und eine mechanische Werkstätte, in der Pumpen, Gaswerksausrüstungen, Förderanlagen und Wassermotoren produziert wurden. Aus dem Unternehmen ging die heutige Giroud-Olma AG hervor. Zwischen 1892 und 1896 wirkte Giroud zudem als Mitbegründer des Elektrizitätswerks Olten-Aarburg, aus der später die Atel wurde.

Martin-Disteli-Strasse (Olten)

Vielen Leserinnen und Lesern dürfte der Name Martin Disteli vertraut sein. Am Oltner Bahnhof ist eine Unterführung nach ihm benannt, oberhalb des Hausmattrains steht ein Denkmal von ihm und von der Rückseite des Bahnhofs aus erstreckt sich eine Strasse, die schliesslich in die Aarauerstrasse einmündet. Disteli wurde 1802 in Olten geboren. Ab 1821 studierte er in Freiburg im Breisgau und Jena Geisteswissenschaften und verkehrte in liberalen Studentenkreisen. Er fiel als talentierter Karikaturist auf. Beschuldigt, den Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe öffentlich verunglimpft zu haben, kehrte er 1823 in die Schweiz zurück und wandte sich bald der Zeichenkunst zu. Nach Ausbildung in München strebte er eine Anstellung als Zeichenlehrer an, die konservative Solothurner Regierung verweigerte ihm diese jedoch. Als 1831 in Solothurn die liberale Herrschaft einsetzte, schaffte Disteli seinen Durchbruch: Im selben Jahr wurde er Oltner Stadtrat, 1834 Oberst und 1836 endlich Zeichenlehrer. Er zeichnete Karikaturen für verschiedene demokratische Zeitschriften und gab den «Schweizer Bilderkalender» heraus, mit dem er den Kampf gegen die Konservativen führte. Martin Disteli starb, erst 42-jährig, 1844 in Solothurn.

Paul-Brandt-Strasse (Olten)

Dass in Olten an Paul Brandt erinnert wird, erschliesst sich erst auf den zweiten Blick. 1852 in La-Chaux-de-Fonds zur Welt gekommen, absolvierte Brandt das Gymnasium in Bern, ehe er Theologie studierte und dann auch bald als Pfarrer tätig wurde. Schon früh wirkte er zudem als Redaktor bei verschiedenen Publikationen. Die Verbindung Oltens zu Brandt liegt in dessen Engagement für das Eisenbahnpersonal. 1891 gründete er den Eisenbahnerverein St. Gallen, von 1901 bis 1908 war er Generalsekretär der Arbeiterunion Schweizerischer Transportanstalten, von 1908 bis 1910 gar vollamtlicher Generalsekretär des Schweizerischen Zugspersonalvereins. Zwischen 1902 und 1905 vertrat er den Kanton St. Gallen im Nationalrat. Paul Brandt trat als erster Geistlicher in die SP ein; kurzzeitig präsidierte er die Partei 1898 sogar. Neben den Eisenbahnern setzte sich Brandt insbesondere auch für die Textilarbeiter ein. 1910 starb er bei Paris. An der Paul-Brandt-Strasse befinden sich ehemalige Eisenbahnerhäuser.

Hans-Brunner-Weg (Winznau)

Eine Ausnahme unter den hier beschriebenen Strassen stellt der Winznauer Hans-Brunner-Weg dar. Dessen Namensgeber lebt nämlich als einziger noch. Hans Brunner wurde 1936 in Winznau geboren. In jenem Ort sollte er denn auch fast zeitlebens leben. Brunner war als Primarlehrer tätig, die Ehrung wurde ihm jedoch als Lokalhistoriker zuteil. Der nebenamtliche Leiter des Historischen Museums in Olten machte sich um die Aufarbeitung der Winznauer Ortsgeschichte verdient. Er verfasste eine umfangreiche Dorfchronik. Ihm zu Ehren wurde der Fuchsacker-Weg, an dem er wohnt, in Hans-Brunner-Weg umbenannt. Kurz darauf ernannte ihn die Bürgergemeinde Winznau auch noch zu ihrem Ehrenbürger.

Theodor Schweizer-Weg (Olten)

Theodor Schweizer, dessen Name ein kleiner Fussweg in Olten ziert, machte sich als autodidaktischer Erforscher steinzeitlicher Siedlungsplätze einen Namen. Geboren wurde Schweizer 1893 in Aarburg, die Schulen besuchte er in Olten. Nach einer Lehre als Färber arbeitete er als Depeschenbote beim Telegrafenamt, dann lange als Verwaltungsgehilfe bei der PTT und ab 1945 bei der Telefondirektion in Olten. Ab 1919 entdeckte Schweizer in der Nordwestschweiz über 40 steinzeitliche Siedlungsplätze und verfasste Beiträge für historische Zeitschriften. Er starb 1956 in Olten.