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04.11.2020

Bangen und Hoffen

Mutter Irene und Sohn Roland Küpfer hoffen, dass sie trotz geschlossenem Freizeitbereich in den nächsten Wochen Gäste für ein Fondue-chinoise oder einen Tischgrill in Trimbach begrüssen können. (Bild: mim)

Mutter Irene und Sohn Roland Küpfer hoffen, dass sie trotz geschlossenem Freizeitbereich in den nächsten Wochen Gäste für ein Fondue-chinoise oder einen Tischgrill in Trimbach begrüssen können. (Bild: mim)

Bowlingcenter Trimbach Wir sprechen mit der Familie Küpfer über ihr geschlossenes Bowling- center, die neusten Massnahmen und das Führen des Restaurantbetriebes.

Von: Mirjam Wetzstein

Am 1. April dieses Jahres hätten Irene und Markus Küpfer Jubiläum gefeiert. Vor 20 Jahren eröffnete das Ehepaar ihr Bowlingcenter in Dulliken mit anfänglich acht Bowlingbahnen und sechs Billardtischen. Es sei ein lang gehegter Traum seines Vaters gewesen, erzählt Roland Küpfer, der jüngere der beiden Söhne, der vor neun Jahren in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist. Markus Küpfer war bei der einstigen Dulliker Firma Rihm tätig, die zuerst Kegel- und schliesslich ab 1996 auch Bowlingbahnen herstellte und unterhielt. Mit dem Namen Fun-Bowl oder auch Disco-Bowling brachte sie die erste Bowlingbahn im Baukastensystem auf den Markt, die Markus Küpfer verkaufte und mit deren Technik er sich bestens auskannte. 2001 eröffneten die Küpfers zusätzlich das Bowlingcenter in Sursee. Vor zehn Jahren zog das hiesige Center von Dulliken nach Trimbach um und ein halbes Jahr später wurde das Restaurant «The Grillhouse» eingeweiht.

Stetig erweitert

Sowohl das Bowlingcenter in Sursee, als auch das in Trimbach wurden über die Jahre ständig erweitert. In Trimbach umfasst der gesamte Bereich rund 3000 Quadratmeter. Auf dieser Fläche befinden sich neben einem grosszügigen Restaurant- und Barbereich 14 Bowlingbahnen, 19 Billardtische und 1 Snookertisch. Ausserdem kamen vor zwei Jahren ein Dart-Raum mit 7 Dart-Automaten sowie ein Loungebereich hinzu. Seit vier Jahren bieten die Küpfers zudem im ersten Stock Konferenz- und Sitzungsräume an. «Wir haben stets versucht, das Angebot breiter und die Atmosphäre gemütlicher zu gestalten», betont Irene Küpfer. Auch die zweite Generation habe dabei neue Ideen eingebracht. «Im Bezug auf Wünsche, Mach- und Finanzierbarkeit ist es jedoch nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen», fügt Irene Küpfer an. «Der Gast steht bei uns im Vordergrund und wir möchten seine Wünsche wenn möglich erfüllen.» Deshalb werde ein Familienfest schon mal unterbrochen, wenn der Anruf wegen einer defekten Bowlingbahn eingehe. Trotzdem habe er nicht seine ganze Jugend im Bowlingcenter verbracht, meint Roland Küpfer und ein Schmunzeln zeichnet sich unter der Maske ab. Und dies obwohl er während der Center-Eröffnung als 9-Jähriger sieben Stunden auf der Bowlingbahn gespielt habe.

Unbegreiflicher Lockdown

Doch anstatt nach 20 Jahren mit einer Feier auf das Erreichte zurückblicken zu können, musste sich die Familie Küpfer und ihre insgesamt gegen 45 Voll- und Teilzeit-Mitarbeitenden Mitte März in Trimbach und Sursee in den Lockdown begeben. «Für mich war es ein Schock und einfach unbegreiflich. Wir hatten das Wochenende zuvor mit Einschränkungen hinter uns gebracht und dann hiess es von einem auf den anderen Tag, dass das gesamte Center geschlossen werden muss», erinnert sich Irene Küpfer. Die Hauptsaison dauere in der Regel von Oktober bis April, da die Besucherzahlen in den Sommermonaten sehr wetterabhängig seien. «Mit der verfrühten Schliessung Mitte März fiel unsere Reserve für die Sommermonate weg. So war uns bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass eine halbjährige Trockenphase bevorsteht», betont Roland Küpfer und fügt an: «Da ein Teil des Betriebes in den Bereich Freizeit fällt, gehörten wir schliesslich auch zu den letzten, die im Juni wieder eröffnen durften.» Sie hätten sich während der Lockdown-Zeit als Familie Unterhaltsarbeiten gewidmet. «Diese haben wir wo möglich selbst vorgenommen, da wir in dieser einnahmefreien Zeit möglichst kein Geld ausgeben durften», zeigt Küpfer auf. Schliesslich mussten auch weiterhin Miete, Strom und Versicherungen bezahlt werden. Für die Mitarbeiter hatte das Unternehmen Kurzarbeit eingereicht.

Plötzlich erneut geschlossene Bereiche

«Seit Anfang Oktober hatten wir das Gefühl, dass der Start in die neue Saison funktionieren könnte und waren positiv gestimmt», erzählt Roland Küpfer. Mit den vergangene Woche erfolgten Verschärfungen vonseiten des Kantons und Bundes mussten die Küpfers, kaum in die neue Hauptsaison gestartet, die Bowlingbahnen und alle anderen Bereiche wieder schliessen. Einzig das Restaurant bleibt geöffnet. «Gerade bei unserem Betrieb sind die Weisungen teilweise schwierig zu deuten. Der Bowlingbereich hat keinen Verband und der Gastronomie-Verband fühlt sich ausschliesslich für den Gastro-Bereich verantwortlich. Dies macht es noch zeitintensiver, sich mit den ständig wechselnden Verordnungen auseinanderzusetzen», erzählt Roland Küpfer und fügt an: «Wir hätten am Barbetrieb festhalten können, was jedoch aufgrund der Sperrstunde um 23 Uhr und des geschlossenen Freizeitbereichs aus finanzieller Sicht leider keinen Sinn gemacht hätte. Wir müssen nun sparen, wo es möglich ist.» Nachdem nun alle Dart- und Bowlingreservationen abgesagt werden mussten, dürften auch für den Restaurantbereich die sonst üblichen Weihnachtsessen wegfallen. «Trotz aller Widrigkeiten und verschärften Regelungen, versuchen wir das Restaurant weiterhin zu den Sommeröffnungszeiten offen zu halten.» Mit Reserven und schlussendlich dem Coronakredit, der eine Verschuldung darstelle, könne man die Situation notdürftig tragen. «Es stellt sich aber die Frage, wie lange diese erneute Durststrecke anhalten soll», betont Roland Küpfer und sinniert, ob ein einmonatiger kompletter Lockdown für ihre Situation besser gewesen wäre. «Schön ist es, dass auch die Mitarbeiter zusammenrücken und hinter dem Betrieb stehen, trotzdem fühlt man sich hilflos. Ich sehe alles, was wir die letzten 20 Jahre aufgebaut haben in ernster Gefahr, zumal ein Überleben im Gastronomie-Bereich bereits zuvor kein Zuckerschlecken war», betont Irene Küpfer. Dabei schwebt über der Familie stets das Damokles-Schwert eines zweiten Lockdowns.

www.bowlingcenter-trimbach.ch

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