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01.06.2021

Süsse Oltner Seele

«Man macht und tut»: Gitarrist und Komponist André Kunz in seinem Arbeitszimmer. Hier sammelte er während drei Jahren Ideen für sein neues Album «Sweet Soul». (Bild: Franz Beidler)

«Man macht und tut»: Gitarrist und Komponist André Kunz in seinem Arbeitszimmer. Hier sammelte er während drei Jahren Ideen für sein neues Album «Sweet Soul». (Bild: Franz Beidler)

André Kunz Der Oltner Gitarrist und Komponist ­André Kunz präsentiert ein neues Album: «Sweet Soul». Nicht zuletzt dafür erhält er eine Anerkennungspreis der Stadt Olten.

Von: Franz Beidler

Das sei wohl nun etwa sein fünfzehntes oder sechzehntes Album, mutmasst André Kunz. «Also, von jenen, die ich selber gemacht habe.» Er mache das ja nun seit bald dreissig Jahren, sagt der Oltner Gitarrist. Mit «selber gemacht» meint Kunz, dass er auch als Komponist und teils als Produzent auftritt. Und vor allem, dass er auf dem Album seine ganz eigenen klanglichen Vorstellungen verwirklicht.

«Sweet Soul» heisst das Werk, auf dem Kunz vierzehn instrumentale Kompositionen versammelt. Zwanzig Leute aus zehn Nationen von vier Kontinenten wirken daran mit. Als «Smooth Jazz» beschreibt Kunz das Album stilistisch, das sowohl als CD als auch zum Download auf Kunz’ Webseite und den gängigen digitalen Kanälen erhältlich ist. Unüblich dagegen ist, dass «Sweet Soul» auch als Notenbuch erscheint, das ebenfalls auf Kunz’ Webseite bestellt werden kann. «Warum nicht mal einer dieser Songs spielen», fragt der Komponist rhetorisch, «anstatt jene von Cany Dulfer oder Roy Hargrove?»

Süffige Melodien auf Keyboardwolken

Sich selber an der Musik von «Sweet Soul» zu versuchen, dürfte denn auch lohnenswert sein. Schon «Mallorca», der Auftakt der Platte, begrüsst einen mit einer süffigen Melodie auf weichen Keyboardwolken, getragen von einem rollenden Bass, nur im Hintergrund von einer schnittigen Funkgitarre rhythmisiert. Dieses Rezept bleibt denn auch der dominante Klang von «Sweet Soul», besonders eben auch in jenem Stück, das dem Album den Namen gibt. Dennoch baut Kunz gekonnt Ausreisser ein: «Touched By An Angel» wird dank verzerrter Gitarre rockiger. Dezente Perkussion und gedrängte Bläsersätze verleihen «Trouble At Edgewater Drive» einen Hauch von Bossa Nova. Am weitesten vom Grundklang des Albums entfernt sich Kunz aber mit «Stay With Me», dem letzten Titel der Platte. Auf eine lange, seufzende Streicherpassage folgt Stille. Erst nach einer fast siebenminütigen Zäsur endet das Stück in melancholischem Slow-Pop – «Stay With Me» wird auch wortwörtlich zum musikalischen Konzept.

«Die Leute müssen einfach weinen», benennt Kunz augenzwinkernd seinen Anspruch an «Sweet Soul». Er habe halt ein Herz für Pop-Romantik. Der hat er sich hier nun ganz verschrieben, nachdem seine Musik nicht immer so zugänglich war. Schliesslich ist Kunz ein ausgewachsener Jazzmusiker, der ebenso gut mit dem Hirn wie mit dem Herz Musik macht. Nun also «Feel-Good mit Soul», wie er es in eigenen Worten beschreibt. «Die Platte gefällt auch Leuten, die mit Jazz nichts am Hut haben», ist sich Kunz sicher.

Drei Jahre, um Puzzle zu lösen

«Abgefahrene Musik ist eigentlich einfacher zu machen», sagt Kunz. «Eine Ballade, die nicht kitschig klingt, ist schwieriger.» Dazu müssten die einzelnen Elemente der Musik stimmig sein.

Um dieses Puzzle zu lösen, liess sich Kunz mit «Sweet Soul» drei Jahre Zeit. «Die musikalische Grundidee ist aber immer die gleiche geblieben», bestätigt Kunz. Die ersten Entwürfe für das Album entstanden 2018. «Komponieren ist wie Tagebuch schreiben», erklärt Kunz. Er notiere fast täglich Melodiefetzen oder kurze Akkordfolgen. Dann sei es ein steter Prozess, diese Ideen auszuarbeiten. Besonders ist bei «Sweet Soul» allerdings, dass das Album nicht in wenigen Tagen im Aufnahmestudio entstanden ist. Kunz hat die Stimmen der einzelnen Instrumente vorproduziert und den Musikern geschickt. Diese nahmen ihr Instrument auf und schickten die Aufnahme an Kunz zurück. Der setzte dann die Einzelteile nach seiner Vorstellung zusammen. Gemeinsam mit dem Zürcher Musiker Kriz Flew produzierte und mischte Kunz das Album im Studio. Den letzten Schritt, das Mastering, übertrug er dem US-Amerikaner Ron Boustead, der schon mit Prince oder Madonna zusammengearbeitet hatte. «Ich habe mir den Allerwertesten aufgerissen, damit die Scheibe super klingt», kommentiert Kunz lachend.

Die digitale Arbeitsweise sei nicht nur wegen der Coronapandemie günstig gewesen. «Ich hatte halt meine Wunschmusiker», sagt Kunz. So konnte er die trotzdem auf dem Album versammeln, obwohl ein Treffen im Aufnahmestudio «logistisch und finanziell unmöglich» gewesen wäre.

Einmal probierte er die Musik dann aber doch in Echtzeit aus. Im November 2019 trommelte Kunz alte Weggefährten zusammen und spielte mit ihnen ein Konzert in der Oltner Vario Bar – der erste Auftritt der «Sweet Soul Band». Da habe er von Mitmusikern und Publikum tolle Reaktionen zur Musik von «Sweet Soul» erhalten. «Das war ein grosser Aufsteller», erinnert sich Kunz.

Dieselbe Band will er auch in Zukunft wieder versammeln, um mit dem nun fertigen Album auf Tour zu gehen. «Geplant ist aber noch nichts», sagt Kunz. Denn mit der Pandemie sei das immer noch zu unsicher. Ausserdem sei er als Ein-Mann-Betrieb momentan noch zu sehr mit der Medienarbeit ausgelastet, als dass er eine Tour organisieren könnte. «Die Plattentaufe wird aber selbstverständlich in Olten stattfinden», konnte Kunz schon mal versprechen. «Das muss sein.»

Anerkennung in der Heimat

Auch wenn «Sweet Soul» über alle Landesgrenzen hinweg entstand, bleibt der Kopf dahinter seiner Heimatstadt verbunden. Das weiss auch die Stadt Olten. Sie verleiht Kunz am kommenden Sonntag, 6. Juni, einen Anerkennungspreis, weil er sich «als stiller, aber konsequenter und herausragender Schaffer einen Namen gemacht hat», wie es in der Bekanntmachung heisst. Er sei überrascht gewesen und freue sich sehr, sagt Kunz. «Man macht und tut», sagt er, «und bewegt sich in einer Nische», das sei ihm ja bewusst. «Wenn dann die Heimatstadt das trotzdem anerkennt und schätzt, dann ist das besonders schön.» Kunz fünfzehntes oder sechzehntes Album «Sweet Soul» beschreibt vielleicht auch, was der Dreitannenstadt und ihren Menschen den ganz besonderen Charme verleiht: die süsse Oltner Seele.

www.andrekunz.com

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