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14.09.2022

«Angebot ist nicht mehr so breit wie vor Corona»

Edith Scott sieht sich als Direktorin des Stadttheaters Olten mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. (Bild: Achim Günter)

Edith Scott sieht sich als Direktorin des Stadttheaters Olten mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. (Bild: Achim Günter)

Saisonstart Stadttheater Am Freitag startet das Stadttheater Olten in die Saison 2022/23. Direktorin Edith Scott hofft auf eine Spielzeit ohne neue Corona-Einschränkungen, spricht über die Nachwirkungen der Pandemie für ihr Haus und die Kulturbranche – und verrät ihre persönlichen Programmhöhepunkte.

Von: Achim Günter

Diese Woche starten Sie in Ihre vierte Spielzeit als Direktorin im Oltner Stadttheater. Wie optimistisch sind Sie, dass es für Sie endlich einmal eine «normale» Saison geben wird?

Edith Scott: (lacht) Was heisst «normal»? Ich glaube jedenfalls fest daran, dass wir alles Geplante vorführen dürfen. Und ich hoffe sehr, dass es diesmal keine Einschränkungen für die Zuschauerinnen und Zuschauer geben wird. Wir planen mit einer normalen Saison, und ich bin optimistisch.

Die ersten drei Spielzeiten unter Ihrer Leitung wurden jeweils mehr oder weniger stark beeinträchtigt von Corona.

Das ist so. Manchmal vergisst man es schon fast, weil es derzeit weit weg scheint. Jedoch glaube ich auch jetzt noch, dass man nicht sagen kann: Corona ist weg. Selbst wenn in dieser Saison nicht wieder Massnahmen eingeführt werden müssten, bedeutet Corona in unserem Schaffen eine enorme Zäsur. Und es beschäftigt uns insofern weiter, als dass es bei uns sehr viele Entwicklungen beschleunigt hat – vor allem solche in Sachen Auslastung. Wir müssen schauen, wie wir künftig dem Problem geringerer Auslastung begegnen, wie wir das abfedern können. Ohne Corona hätte uns diese Problematik nicht in dieser Härte und nicht in dieser Geschwindigkeit erreicht.

Ihrer Ansicht nach hat Corona diese Entwicklungen aber nur beschleunigt, eingetreten wären sie ohnehin?

Vermutlich, ja. Aber sie wären wohl sehr viel langsamer passiert.

Was sprechen Sie konkret an?

In der Kulturbranche spricht man schon länger davon, dass das Abonnement-System irgendwann auslaufen wird, dass es kein modernes System mehr ist. Es ist allgemein ein Abonnement-Schwund zu beobachten. Corona hat diesen Rückgang massiv beschleunigt. Wir in Olten haben innert kurzer Zeit sehr viele Abonnements verloren. Spannend ist, dass Gastspielhäuser wie das unsrige stärker davon betroffen sind als Häuser, die selbst produzieren. Auch ein Stadt-Land-Graben ist festzustellen. Häuser in grossen Zentren haben ein deutlich grösseres Einzugsgebiet als wir auf dem Land.

Es werden also weniger Abonnements verkauft als einst?

Im Vergleich zur letzten Saison ist die Anzahl Abonnements leicht gestiegen. Das ist erfreulich. Es handelt sich um Leute, die zu uns zurückkehren, aber auch um Neukunden. Für uns ist das ein schönes Feedback, weil es uns zeigt, dass unsere Arbeit ankommt. Aber insgesamt haben wir in der Corona-Zeit einen massiven Verlust eingefahren. Auf das Vor-Corona-Niveau werden wir es mit den Abonnement-Zahlen nicht mehr schaffen. Wenn wir den Saal bei den einzelnen Vorstellungen auch ohne den Grundstock an Abonnenten jeweils füllen können, brauchen wir nicht eine grosse Zahl an verkauften Abonnements. Momentan sind manche Anlässe ein Selbstläufer, andere bringt man nicht voll. Für diese Fälle bietet der Abonnement-Verkauf natürlich eine gewisse Sicherheit und erleichtert uns die Arbeit. Die 84 Prozent Auslastung über die gesamte Saison aus den Vor-Corona-Zeiten erreichen wir im Moment nicht mehr.

Mit welcher Auslastung kalkulieren Sie in der kommenden Saison? Mit 70 Prozent?

Nein, ich habe tiefer kalkuliert. Wobei wir uns natürlich bemühen, dass ich mit meiner Kalkulation nicht recht haben werde (schmunzelt).

Die Pandemie ist momentan in den Hintergrund getreten und wird überlagert vom Krieg in der Ukraine oder der Energiekrise. Für die Stadttheater Olten AG insgesamt dürfte Corona jedoch noch spürbar nachwirken.

Im Tagungsbereich merkt man davon nicht mehr viel, die Nachfrage ist sehr gross. Wir haben sehr viele Stammkunden. Alles wird zwar ein wenig kurzfristiger gebucht als früher, aber im Seminarbereich ist die Entwicklung sehr erfreulich. Wir sind schon fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Was uns aber ebenfalls stark trifft, sind die steigenden Strom- und Gaspreise. Bis unsere Säle, die sehr hoch sind, beheizt sind, dauert es. Und wir haben eine Gasheizung – momentan ist das mit sehr hohen Kosten verbunden. Im Hinblick auf den kommenden Winter bereitet uns das Sorgen. Und man muss wissen: Das Haus ist alt, es ist nicht so isoliert, wie es sein sollte. Ganz viel Energie verpufft ohne Nutzen. Uns schmerzt das, denn wir betreiben das Haus und müssen diese Energie bezahlen. Am Umstand etwas ändern können wir aber nicht, denn das Gebäude gehört uns nicht.

Für die Kulturschaffenden waren die zwei Jahre von Frühling 2020 bis Frühling 2022 sehr herausfordernd. Als Direktorin eines Stadttheaters sind Sie nahe dran an der Kulturszene. War Corona tatsächlich so verheerend, wie das oft beklagt wurde?

Für mich ist das schwierig einzuschätzen. Was ich für meinen Arbeitsalltag beobachte: Gewisse Player gibt es nicht mehr. Deren Anzahl ist allerdings überschaubar. Die meisten haben erfolgreich gekämpft für die Erhaltung ihres Angebots. Ich nehme aber momentan einen Unterschied im Angebot wahr: Es ist nicht mehr so breitgefächert, wie es vor Corona war. Auch fehlen oftmals die grossen Namen, die Publikumsgaranten. Unserem Haus, das darauf angewiesen ist, Produktionen einzukaufen, nur einmal zu zeigen und für dieses eine Mal genug Publikum dafür zu begeistern, fällt es aktuell schwerer als auch schon, ein prägnantes Programm auf die Beine zu stellen.

Wenn Sie vom derzeit verknappten Angebot sprechen, beziehen Sie sich bereits auf die Planung der Saison 2023/24?

Ja. Schon für die Saison 2022/23 musste ich lange suchen, um das Programm zusammenzustellen. Und nun ist es erneut ein Knorz, Programmhöhepunkte zu finden. Als kleinere Institution können wir uns nicht alles leisten. Und als Deutschschweizer Gastspielhaus sind wir nach wie vor sehr stark vom deutschen Markt abhängig, denn wir wollen dem Publikum ja eine gewisse Abwechslung bieten. Und diese deutschen Gastspieler legen natürlich lange Wege zurück. Also sind sie darum bemüht, im gleichen Zeitraum noch mindestens eine weitere Einladung aus der Schweiz zu erhalten, um eine kleine Tournee zu machen.

Das Programm der nächsten Saison ist einmal mehr sehr vielfältig. Nennen Sie drei Vorstellungen, auf die Sie sich persönlich ganz besonders freuen.

Das ganze Programm trägt meine Handschrift… Auf drei einzelne? Schwierig! Ich freue mich unheimlich auf Capuçon und Goerner, unser erstes Klassikkonzert von Ende September. Das sind zwei Schwergewichte im Klassikbereich, zwei ausgezeichnete Musiker. Für mich ein grosses Highlight, sie in Olten erleben zu dürfen. Als zweites nenne ich das Schauspiel «Der Zauberberg», das im Dezember aufgeführt wird. Zum allerersten Mal wird das Théâtre National du Luxembourg bei uns auftreten. Ich finde es toll, einen 600-Seiten-Wälzer in eine Bühnenadaption zu packen und so auf die Bühne zu bringen, dass er für Normalsterbliche verständlich ist. Und ein Herzensprojekt von mir sind die Kaffeehauskonzerte. Sie sind eine Nachwirkung von Corona. Ich habe grosse Freude an diesem Format und der Tatsache, damit den lokalen Künstlern eine Plattform bieten zu können. Es sind alles schöne, sehr unterschiedliche Programme – und überall ist der Olten-Bezug gegeben. So erhalten wir vor Augen geführt, dass es auch in Olten enorm gute Kunstschaffende gibt.

Den Start machen am Freitag, 16. September, die Berlin Comedian Harmonists mit «Veronika, der Lenz ist da».

Ein ganz tolles Gesangsensemble. Wer es kennt, ist davon verzaubert. Alles ist Ohrenschmaus. Ich glaube, es ist ein schöner Auftakt, mit dem wir leicht und beschwingt in die neue Saison starten können.

 

Edith Scott

Die 33-jährige Edith Scott führt seit drei Jahren als Direktorin die Geschicke des Oltner Stadttheaters. Die Literatur- und Musikwissenschafterin, in Obergösgen aufgewachsen, wohnt mit ihrer Familie in Olten. Sie ist Mutter zweier Kinder.

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