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18.01.2023

Existenzielle Not hat viele Gesichter

Trotz sinkender Sozialhilfequoten wissen viele Menschen nicht, wie sie ihre Lebenskosten bewältigen sollen. (Bild: Pixabay.com)

Trotz sinkender Sozialhilfequoten wissen viele Menschen nicht, wie sie ihre Lebenskosten bewältigen sollen. (Bild: Pixabay.com)

Armut Geht es um Armut, dreht sich die öffentliche Debatte in Olten oft um Menschen, die ihren Alltag an der Kirchgasse verbringen. Die Mehrheit der Armutsbetroffenen lebt jedoch im Verborgenen.

Von: Caspar Reimer

Im vergangenen Jahr sorgte die vom Verein Schlafguet an der Bleichmattstrasse 21 geplante Notschlafstelle immer wieder für hitzige Diskussionen: Mit der Eröffnung einer Notschlafstelle würde die Situation rund um die Kirchgasse, die sich durch Betteln, Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit oder schlicht das Herumlungern von Menschengruppen auszeichnet, in das Schöngrundquartier verlagert. «Wer das glaubt, hat nicht verstanden, dass jene Menschen, die ihren Alltag auf der Kirchtreppe verbringen, über einen gemeldeten Wohnsitz in der Region verfügen. Diese Leute sind nicht obdachlos», sagt Timo Probst, Co-Präsident des Vereins Schlafguet.

Jüngste Studien zeigen, dass in der Schweiz rund 20 000 Menschen von extremer Armut, also etwa dem Verlust ihrer Wohnung, betroffen sind. «Zu finanziellen Nöten kommen Faktoren hinzu, welche die Obdachlosigkeit begünstigen, etwa häusliche oder sexuelle Gewalt, ein ungeregelter Aufenthaltsstatus, fehlende Hilfen aus dem Umfeld oder gesundheitliche Probleme.» Die Stadt Olten versichere jeweils, dass für gemeldete Personen ein Wohnsitz gefunden werden kann. «Eine statistische Lücke bilden aber nicht gemeldete Menschen, die fern ihrer Wohngemeinde stranden oder deren Not ausserhalb der Öffnungszeiten des Schalters der Sozialregion auftritt», so Probst weiter. Die Erfahrung des Vereins Schlafguet stütze sich auf persönliche Gespräche: «Immer wieder ist für Menschen aus zahlreichen Gründen nicht klar, wo sie die nächste Nacht verbringen. Bis anhin müssen diese Personen an Institutionen in Baden, Biel, Zürich oder Bern verwiesen werden. Die Schlafplätze in grösseren Städten sind jedoch stark ausgelastet.»

Unsichtbare Armut

Armut hat viele Gesichter, wie ein Blick über die Schweizer Grenze zeigt: Menschen, die in Unsicherheit leben, sich von Arbeit zu Arbeit angeln und am Ende des Monats jede Münze umdrehen müssen, gibt es in ganz Europa immer mehr. Dieses düstere Bild vermittelte vergangene Woche die auf dem TV-Sender Arte ausgestrahlte Dokumentation «Arm trotz Arbeit – Die Krise der Mittelschicht.» Zwar sieht sich die Schweiz gerne als eine Insel des Wohlstands, doch auch hierzulande gibt es vermehrt Anzeichen dafür, das viele Menschen in relativ prekären Bedingungen leben: Im vergangenen Dezember berichtete die Wochenzeitung WOZ über die Gassenküche in St. Gallen, die von immer mehr Menschen aufgesucht werde – von einer Zunahme der Nachfrage um 20 Prozent ist die Rede. Personen, die bereits über sehr wenig Geldmittel verfügten, kämen angesichts der Teuerung in Nöte. Seit der Pandemie wird dort auch eine Zunahme von Suchterkrankungen verzeichnet. Auch in Zürich und an anderen Orten zeige sich ein ähnliches Bild.

Marianne Hochuli, Historikerin bei Caritas Schweiz, sagte im vergangenen Sommer an einer Podiumsdiskussion zum Thema Armut im Kanton Solothurn, dass die Armut in der «reichen» Schweiz seit 2014 kontinuierlich ansteige. Natürlich habe die Coronakrise diese nochmals verschärft, vor allem bei den Frauen. «Bereits vor Corona war jede sechste Person in der Schweiz von Armut betroffen», so Hochuli. Es gebe immer mehr Menschen, die ihre Existenz mit Erwerbsarbeit nicht mehr sichern könnten – sie fänden gar keine Stelle, arbeiteten zu tiefen Löhnen, hätten zu kleine Pensen und stünden auf Abruf bereit, ohne soziale Absicherung.

Sozialhilfequote rückläufig

Ein Bild, wie es die WOZ von der Gassenküche in St. Gallen zeichnet, zeigt sich in Olten nicht. Auf Nachfrage bezüglich der Situation in hiesigen Essensabgabestellen sagt Stadtrat und Sozialdirektor Raphael Schär-Sommer: «Wir wissen, dass die Stellen in Olten stark genutzt sind.» Als Grund ortet er «die Welle an Geflüchteten aus der Ukraine, welche zu einem starken Anstieg der Nutzung dieser Angebote geführt hat». Zum Thema der allgemeinen Bedürftigkeit sagt Schär-Sommer: «Generell kann festgestellt werden, dass die Anzahl Fälle in der Sozialhilfe rückläufig ist. Ob die steigende Teuerung hier wieder zu einer Gegenbewegung führt, können wir frühestens in vier bis sechs Monaten sehen.»

Kurz vor den Festtagen gab das Solothurner Amt für Gesellschaft und Soziales bekannt: Die Sozialhilfequote für das Jahr 2021 ist gegenüber dem Jahr 2020 um 0,1 Prozent gesunken; von 3,3 auf 3,2 Prozent. Im Jahr 2021 weiterhin an der Spitze der kantonalen Statistik bleibt die Gemeinde Trimbach mit 7,9 Prozent, wie Daten des Bundes zu entnehmen ist. Doch auch hier scheint es einen rückläufigen Trend zu geben: 2020 belief sich die Quote Trimbachs noch auf 8,6 Prozent, 2019 gar auf 9 Prozent.

Essensabgabe im Kloster

Josef Bründler, Guardian im Kapuzinerkloster Olten, sagt auf Anfrage: «Pro Tag kommen zehn bis 15 Leute, die Hunger haben, an die Klosterpforte. Denen geben wir Essen, das bei uns übrig bleibt. Dabei handelt es sich aber um Menschen mit einer Suchterkrankung. Es sind jene, die sich an der Kirchgasse aufhalten. Mit der verdeckten Armut, die es in Olten gibt, kommen wir nicht in Kontakt.» So bleibt Armut, die abseits der Sozialhilfe existiert, in der öffentlichen Wahrnehmung meist aussen vor.

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