Neuer Blick für Katholiken

Der ehemalige Chefredaktor des Blicks Werner De Schepper leitet ab Januar 2015 den neuen katholischen Newsroom. Wie kam es zu diesem Wendepunkt?

Der Christ und Journalist Werner De Schepper vor der Kapelle des Klosters: «Ich will das Tor zur weiten Welt öffnen.» jpi)
Der Christ und Journalist Werner De Schepper vor der Kapelle des Klosters: «Ich will das Tor zur weiten Welt öffnen.» jpi)

Die katholischen Medienplattformen www.kath.ch und www.kipa-apic.ch zentralisieren ihre Dienstleistungen. Ab dem 1. Januar 2015 werden Themen rund um Gesellschaft, Kirche und Religion im neuen Newsroom in Zürich aufbereitet. Leiten wird die Redaktion im Rahmen eines zweijährigen Mandats der Oltner Journalist Werner De Schepper. Die Gelegenheit bot sich, da sein Arbeitsverhältnis bei Tele Bärn, aufgrund von neuen Regelungen der Verantwortlichkeiten in der TV-Senderfamilie, aufgelöst wurde.

Der ehemalige Chefredaktor des Blicks ist bekannt für seine provokativen Schlagzeilen. Kürzlich sorgte sein Blogeintrag über die Ablehnung eines Einbürgerungsgesuches der Gemeinde Erlinsbach AG für Gesprächsstoff. De Schepper bezeichnet sich durch und durch als Journalist. Als Vorbild für seinen Boulevard-Journalismus nennt der 47-Jährige das Evangelium nach Markus. Boulevard habe nichts mit Halbwahrheiten zu tun, entgegnet er der Kritik, sondern es werden persönliche Geschichten aus dem Leben kurz und prägnant erzählt. Das Wichtigste wird herausgeschält.

Journalismus, nicht PR

Der Blick ist die meistgelesene Zeitung der Schweiz. De Schepper hat bewiesen, dass er einen guten Riecher hat, was den Leuten unter den Nägeln brennt. Blut und Busen sind zwei dominierende Themen. Und jetzt wird er das Sprachrohr der katholischen Kirche – wie passt dies zusammen? «Sprachrohr?! Eher nicht, er sei als Journalist ein Vermittler», räumt er gleich zu Beginn ein. Der neue Newsroom unterliege den gleichen journalistischen Gesetzmässigkeiten wie jener von anderen Medien. «Es wird keine Tabu-Themen geben», versichert Werner De Schepper. «Mir war es seit Beginn meiner 30-jährigen Karriere ein Anliegen, christliche Themen in den öffentlichen Diskurs zu integrieren», räumt De Schepper den Gegensatz aus dem Weg und verweist auf den Osterkrimi, welcher er beispielsweise einst im Blick publizierte.

In der Tat vereint der Oltner beide Themen in seinem Lebenslauf, so studierte er in Freiburg katholische Theologie und Journalistik. Nach einem kurzen Klosteraufenthalt widmete er sich ganz der Medienwelt. Mit Erfolg: Nach seiner langjährigenTätigkeit bei Ringier AG (Blick) wechselte er im Jahr 2007 zum Verlagshaus AZ Medien. Im Jahr 2011/12 leitete er dort unter anderen das Newsroom-Projekt «Spider» in Aarau, welches die Medien Print (Nordwestschweiz), Online (aargauerzeitung.ch) und Fernsehen (Tele M1) miteinander verzahnte. Zuletzt war er Chefredaktor von Tele Bärn. Aktuell schreibt er unter anderem für die Schweizer Illustrierte und ist auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Mit seiner Lebensgefährtin hat er die Firma «Kälin&De Schepper GmbH gegründet, die publizistische Dienstleistungen für Medien, Kommunikation und Politik anbietet.

Papst Franziskus als Vorbild

Die Redaktion des neuen katholischen Medienzentrums wird täglich Geschichten multimedial aufbereiten. Die 30-jährige Erfahrung von De Schepper soll den christlichen Themen zu mehr Medienpräsenz verhelfen. Guter Journalismus beobachtet kritisch und hinterfragt auch traditionelle Gegebenheiten. «In der Kirche herrscht kein Denkverbot. Wir werden auch über innerkirchliche Ereignisse nach den journalistischen Kriterien berichten», so der Oltner. In der Kirche sei eine Veränderung im Gange, dies auch dank dem weltoffenen Papst Franziskus. Dieser ist De Scheppers Vorbild bezüglich Kommunikation: «offen, natürlich und mit einer klaren Botschaft.» Auch der Oltner «Don Camillo», Pfarrer Hanspeter Betschart, nennt er. Die Kirchenmitglieder interessieren sich nebst den typischen Angelegenheiten wie beispielsweise Verhütung, auch für Meinungen und Ansichten der Kirchenhäupter zu aktuellen Themen. Die Bewahrung der Schöpfung sowie Gerechtigkeit sind wichtige Gebote. Was sagt der Bischof zur Lebensmittelverschwendung? Oder wie steht die Kirche zu erneuerbaren Energien?

Der neue Leiter will, dass die Kirche am öffentlichen Diskurs mitredet. Ziel ist, dass das christliche Gedankengut in den säkularen Medien aufgegriffen wird und die Klicks des Onlineservice um «so viel, wie möglich» steigen. Ob bei politischen Themen in den Medien die Meinung der Bischofskonferenz zukünftig gefragt ist, wird sich zeigen. De Schepper sieht seinen Auftrag, aus dem rein Innerkirchlichen auszubrechen: «Wir möchten eine Stimme sein, die wahrgenommen wird.»

«Ich bin eher ein fröhlicher Sünder»

Der Oltner wuchs in einem streng katholischen Milieu auf. Als einen vorbildlichen Christen sehe er sich nicht, eher als «fröhlichen Sünder». Worte ohne Taten bedeuten dem engagierten Oltner nichts. Deshalb ist es ihm wichtig, zu berichten, ob das Brot wirklich geteilt oder doch eher weggenommen wird. Er wohnt als Wochenaufenthalter in Bern. In der Marienkirche in Olten ist er heute weniger anzutreffen, dafür mehr in der Marienkirche im Berner Breitenquartier. Ob dies sein Traumjob ist, werde er erst wissen, wenn er angefangen habe. De Schepper ist die Ökumene wichtig und kann sich gut eine verstärkte Zusammenarbeit mit den reformierten Medien vorstellen. Dies ist ebenfalls revolutionär – spannend wird’s auf jeden Fall.

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