12.08.2015

«17 Jahre sind genug»

Nach 17 Jahren in Olten übernimmt Pfarrer Betschart das Amt des Guardian im Kloster Wesemlin in Luzern. (Bild: mim)

Nach 17 Jahren in Olten übernimmt Pfarrer Betschart das Amt des Guardian im Kloster Wesemlin in Luzern. (Bild: mim)

Pfarrer Hanspeter Betschart Nach 17 Jahren Pastoraltätigkeit in der St. Martinskirche nimmt Pfarrer Hanspeter Betschart ab September eine neue Herausforderung im luzernischen Kloster Wesemlin an.

Von: Mirjam Meier

Er komme gleich, er habe noch überraschend Besuch erhalten, entschuldigt sich Pfarrer Betschart für die Wartzeit vor unserem Interviewtermin. Seit er am Samstag, 1. August sowohl seine letzte Predigt in der Oltner St. Martinskirche halten, die Vernissage seines letzten Oltner Buches «Domspatzen und Säulenheilige», seinen Abschied von Olten als auch seinen 64. Geburtstag feiern konnte, geben sich die Besucher förmlich die Klinke in die Hand. In seiner Bibliothek sitzend erzählt Betschart begeistert vom vorletzten Samstag, an welchem 1’100 Personen den Gottesdienst besucht haben. «Ich war regelrecht überwältigt. Wir haben nicht mit so vielen Besuchern gerechnet, was sich beim Apéro zeigte, der für 400 Personen vorgesehen war», erzählt Betschart und fügt lachend an: «Doch Tessiner Merlot hatten wir genug!» Auf meinen verwunderten Blick durchs Zimmer antwortet Betschart, der bekannt ist für seine Liebe für gutes Essen und seinen Tessiner Merlot, den er im «Grotto», im Keller des Pfarrhauses lagert, «die Karten, die du hier siehst, sind bereits alle beantwortet». Unzählige Präsente und Karten stehen im Zimmer und sind Beweis dafür, wie beliebt der stets für einen Scherz zu habende Pfarrer ist.

Liberaler Geist und Nonchalance

«17 Jahre sind genug. Zudem hatte ich ausreichend Zeit, mich auf den Abschied vorzubereiten», antwortet Betschart auf die Frage, ob ihm der Abschied schwerfalle. An Olten habe ihm stets der liberale Geist, die Offenheit und, bei allem kleinbürgerlichen die sonst nur in der Westschweiz übliche Nonchalance gefallen. Und was mochte er nicht? «Zwei Pfarreien auf zwei Stadtseiten zu haben, war nicht immer einfach. Sowieso kann ein Auswärtiger die Spannungen zwischen einer linken und einer rechten Stadtseite nicht verstehen.»

Vom «Palais» zur Zelle

Er verbringe noch eine Ferienwoche im Ausland. Danach wird es ernst und der Auszug aus der 1858 von Conrad Munzinger erbauten Vorstadtvilla, die vor 60 Jahren zum Pfarrhaus ernannt wurde, steht bevor. «Es gibt noch einiges zu tun, da ich den Inhalt im «Pfarr-Palais» auf die Platzverhältnisse einer Klosterzelle reduzieren muss», erklärt Betschart augenzwinkernd und weist auf die vollen Bücherregale hin. «Auf der linken Zimmerseite stehen die lateinischen und griechischen Werke. Viele davon benötige ich für meine Tätigkeit als Dozent für alte Sprachen an der Universität Luzern sowie für mein Amt als Maturitätsexperte des Kantons Luzern», meint Betschart spitzbübisch. «Die kleinere Büchersammlung auf der rechten Seite mit den Themen Theologie und Kunstgeschichte hat für Olten vollumfänglich ausgereicht», doppelt Betschart nach und meint, dass er davon das Wenigste nach Luzern mitnehmen werde, da dort eine umfangreiche Bibliothek bestehe. Ausserdem habe er im Vorfeld bereits 50 Bundesordner entsorgt, die sich in den 17 Jahren angesammelt hatten.

Schätzt die Abwechslung

Nach dem Gymnasium absolvierte Betschart die Matura in Luzern und studierte darauf Theologie in Freiburg (FR). Beeinflusst von seinem Onkel und Grossonkel, die beide Kapuziner waren, trat er mit 26 Jahren in Freiburg dem Orden bei und absolvierte ein weiteres Studium, das der alten Sprachen. Darauffolgend unterrichtete er am Kollegium St. Fidelis, Mittelschule Nidwalden in Stans und wurde später Lehrbeauftragter für alte Sprachen an der Universität Luzern. Eine schöne Tätigkeit, wie er einst sagte, da er gerne Kontakt zu den jungen Leuten habe und auch die Abwechslung zu seiner pastoralen Tätigkeit schätze. In Luzern wird er weiterhin Dozent an der Universität bleiben.

Sozusagen CEO

An Abwechslung dürfte es Pfarrer Betschart in Zukunft nicht fehlen. Im luzernischen Kloster Wesemlin wird er als Guardian die Verantwortungfür die Brudergemeinschaft und den Betrieb des Klosters tragen. «Ichbin sozusagen CEO», so Betschart lachend. «Zudem bin ich als Quartierseelsorger tätig und für das Gemüt der Personen, die für eine gewisseZeit mit uns im Kloster in der«Oase-W» leben, verantwortlich»,erklärt der zukünftige Guardian schelmisch schmunzelnd, worauf sich die Frage nach dem Verbleib des «Grottos» im Keller des Pfarrhauses aufdrängt. «Ja, das Grotto kommt mit nach Luzern», bestätigt Betschartlachend. Auch der von ihm gegründete Martins-Verlag, in welchem der64-Jährige zahlreiche Schriften publizierte, werde voraussichtlich seinen neuen Sitz in Luzern haben. «Ich freue mich auf die neue herausfordernde Tätigkeit und ich weiss, dass es viel zu tun gibt.» Neben seinem Amt alsGuardian wird Betschart als Provinzbibliothekar drei Bibliotheken leiten und verantwortlich sein für alle Kapuziner-Bibliotheken in der Schweiz. «Zudem wurde ich bereits mehrmals angefragt, wann ich die 45 lateinischen Franziskus-Hymnen übersetzen werde. Bisher bin ich nicht dazu gekommen, doch hoffe ich, in meiner neuen Tätigkeit, neben dem Miteinander, den wissenschaftlichen Teil mehr entfalten zu können.» Und danach? «Wenn alles gut läuft, wäre es schön, nach sechs Jahren das Wesemlin in Luzern als Alterskloster geniessen zu können.»

 

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