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23.01.2019

«Eishockey - was sonst?»

Headcoach Chris Bartolone im Kraftraum des EHC Olten, wo seine Spieler vor jeder Eiszeit Gewichte stemmen. (Bild: Franz Beidler)

Headcoach Chris Bartolone im Kraftraum des EHC Olten, wo seine Spieler vor jeder Eiszeit Gewichte stemmen. (Bild: Franz Beidler)

Chris Bartolone Seit seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr arbeitet Cheftrainer Chris Bartolone hart dafür, den EHC Olten zum Titel zu führen. Morgen Freitag, 25. Januar muss sich sein Team gegen den HC Thurgau behaupten.

Franz Beidler

Sein Grossvater habe bei Chevrolet in Detroit, Michigan, gearbeitet. 1968 habe dieser einen Chevrolet Chevelle, ein typischer amerikanischer Muscle-Car, gekauft, frisch ab Werk, für 3800 Dollar. «Als ich ihm das Auto später für 5000 Dollar abkaufte, investierte er das Geld in einen Schneepflug», erzählt Chris Bartolone, Headcoach des EHC Olten. In Detroit schneie es viel. Der Sportwagen ist bis heute in Bartolones Besitz und eines seiner Hobbys. In diesem Wagen und dessen Geschichte spiegeln sich die Werte der Familie Bartolone: harte Arbeit, unbändiger Wille und familiärer Zusammenhalt. Seit rund einem Jahr prägt Bartolone mit diesen Werten den EHC Olten und könnte damit die Dreitannenstädter in seiner ersten kompletten Saison als Headcoach sogar bis zum Titel führen. Heute Donnerstag, 24. Januar wird Bartolone 49 Jahre alt. Der italienisch-amerikanische Doppelbürger ist in Detroit, USA mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen. Beide spielten Eishockey. «Ich wollte sein wie sie», erinnert er sich. So begann er als siebenjähriger Eishockey zu spielen. Schon damals stand fest: er will Profi werden. Im Alter von achtzehn Jahren entschied er sich gegen ein Studium an einem College und für Eishockey. «Ich habe keinen College-Abschluss, also muss ich mit Eishockey erfolgreich sein», ist Bartolone von da an bis heute überzeugt. Dafür habe er sich damals entschieden. Nach drei Jahren in Kanada habe ihn ein Agent gefragt, ob er nicht den italienischen Pass beantragen könne, um in Italien zu spielen. Seine Familie väterlicherseits stammt aus Sizilien. So wagte er den Schritt nach Europa. Schlussendlich dauerte Bartolones Aktivkarriere über zwanzig Jahre und führte ihn neben Kanada und Italien nach Deutschland, Österreich und Dänemark. Mit der italienischen Nationalmannschaft bestritt er neun Weltmeisterschaften und die Olympischen Spiele 1998 in Nagano. Bartolone ist verheiratet und Vater zweier Töchter. «Meine Familie hat mich immer unterstützt», sagt er. Dass seine Ehefrau das viele Umziehen mitgemacht habe, sei nicht selbstverständlich.

Karriereende nach Gehirnerschütterung

Im Alter von vierzig Jahren riet ihm sein damaliger Arzt nach einer Gehirnerschütterung, seine Aktivkarriere zu beenden. «Mein Kopf will noch heute Eishockey spielen, aber der Körper macht das nicht mehr mit.» So begann er als Assistenztrainer zu arbeiten. Schliesslich holte ihn Maurizio Mansi, 2015 Cheftrainer des EHCO, als Assistenten nach Olten. Hier übernahm Bartolone Anfang 2018 als Headcoach das Zepter und erreichte sogleich das Finalspiel der Play-Offs. «Als Assistenztrainer bist du derjenige, der zwischen Trainer und Spieler vermittelt und gute Laune verbreitet, der «Go-To-Guy» halt», sagt Bartolone. Als Headcoach müsse er nun die Spieler für ihre Leistungen in die Pflicht nehmen. «An den Rollenwechsel mussten wir uns alle erst mal gewöhnen.» Anfangs Sommer des letzten Jahres übernahm Marc Grieder, in der Vorsaison noch Spieler unter Bartolone, das Amt des Sportchefs. «Ich sehe das als Vorteil, weil wir uns schon gut kennen.» Dass beim EHCO sowohl der Headcoach, als auch der Sportchef in ihrem ersten Jahr stehen, geht ob der erfolgreichen Saison schnell vergessen.

In Gedanken immer beim Team

«Als Headcoach denke ich immer über das Team nach», sagt Bartolone. Er arbeite zu viel, hätte man ihm schon gesagt. «Aber ich will vorbereitet sein.» Dazu gehöre auch jedes noch so kleine Ritual. «Schon möglich, dass das Aberglaube ist, aber wenns hilft, positiv zu bleiben, dann spielt das keine Rolle.» Im Eishockey gehe es um Zentimeter, da sei jede Hilfe willkommen. Nach wie vor bleibt er seiner jugendlichen Entscheidung, mit Eishockey unbedingt erfolgreich zu sein, treu. «Ich will mit Olten etwas erreichen.» Dafür brenne seine Leidenschaft. Und ebendiese Leidenschaft erwarte er auch von seinen Spielern.

«Klar, wollen wir Meister werden»

Mit dem bisherigen Saisonverlauf drängt sich die Frage nach dem Titel auf. «Klar wollen wir Meister werden», sagt Bartolone, «aber zuerst müssen wir uns eine gute Ausgangslage für die Play Offs erarbeiten.» In den verbleibenden sieben Spielen bis zu den Play Offs Ende Februar müsse das Team jedem Gegner zeigen, dass ihn ein aggressiver EHCO erwarte. Morgen Freitag, 25. Januar, muss sich Bartolones Team gegen den HC Thurgau behaupten. «Sie haben einen schlechten Saisonstart erwischt, spielten aber die letzten Spiele sehr stark», kommentiert der Headcoach. Gerade auch gegen Olten punkteten die Thurgauer: die letzten beiden Aufeinandertreffen gewannen sie mit 5:1 und 5:2. «Wir haben sie in der letzten Saison in den Play Offs geschlagen und sie sind uns in dieser Saison bisher überlegen. Das wollen wir ihnen zurückzahlen.» Zwischen den Teams habe sich eine besondere Rivalität entwickelt. Man könne von einem Mental-Derby sprechen. «Ich freue mich sehr auf die Play Offs, nicht zuletzt wegen unserer Fans», sagt Bartolone. Der EHCO habe die lautesten Fans der Liga. «Das hilft uns in den Spielen enorm und kreiert diese spezielle Play Off-Athmosphäre», betont er. «Wir wollen unseren Fans etwas zurückgeben, nur wegen ihnen sind wir da.» Eishockey sei der beste Beruf der Welt. «Was willst du sonst tun im Leben?», fragt Bartolone rethorisch. Er liebe seine Arbeit. Deshalb sei für ihn jeden morgen klar, was er tun werde: «Going to work.»

EHC Olten - HC Thurgau
Freitag, 25. Januar, 19.45 Uhr
Eisstadion Kleinholz Olten

www.ehco.ch

 

 

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