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10.04.2019

«Ich bin selbst mein härtester Kritiker»

Die bunten, fröhlich anmutenden Farben täuschen, so beinhalten La Cola’s Bilder meist eine kritische Botschaft. (Bild: mim)

Die bunten, fröhlich anmutenden Farben täuschen, so beinhalten La Cola’s Bilder meist eine kritische Botschaft. (Bild: mim)

Salvatore La Cola In einer Retrospektive zeigt Kunstmaler Salvatore La Cola ab Mittwoch, 17. April seine Bilder im Rathaus Aarburg, die in den Jahren 2014 bis 2018 entstanden sind. Bei einem Besuch in seinem Atelier erklärt er, wieso seine farben- prächtigen Werke nicht einfach nur schön sind.

Mirjam Meier

Das Atelier von Kunstmaler Salvatore La Cola befindet sich etwas versteckt in der einstigen Bibliothek der Firma Bally. Aus dem durch die Fensterfront lichtdurchfluteten Raum ist ein Blick auf den Bahnhof Schönenwerd möglich. An den Wänden hängen grosse Bilder und kleinere Studienarbeiten. Auf einem Tisch türmen sich verschiedenste Farben und Pinsel. «Ich bin jeden Tag im Atelier, genauso wie ich bis vor zwei Jahren jeden Tag zur Arbeit ging», erzählt der einstige Einkaufsleiter.

Alte Leidenschaft erwacht

La Cola, der in Olten geboren und in Dulliken aufgewachsen ist, heute jedoch in Obergösgen wohnt, stammt aus einer Arbeiterfamilie. «Mit dem Zeichnen kam ich erst während der Schulzeit in Kontakt», so der 54-Jährige. Diese Liebe sei jedoch in Vergessenheit geraten. Mit Ehefrau, Kindern, Haus und Arbeit seien andere Prioritäten im Vordergrund gestanden, erzählt La Cola. Bis an diesem Tag vor zehn Jahren, als er, weil gerade Bleistift und ein weisses Blatt Papier vor ihm lagen, die Grossmutter seiner Ehefrau porträtierte. «Meine Ehefrau und ich waren gleichermassen erstaunt. Sie, weil sie nicht wusste, dass ich überhaupt zeichnen kann und ich, dass ich es noch kann», erzählt der Kunstmaler schmunzelnd, der sich in den folgenden Jahren dem foto- realistischen Zeichnen widmete. Er malte Porträts und begeisterte sich für die menschliche Anatomie. «Sie ist perfekt und es ist jedem Maler selbst überlassen wie genau oder abstrakt er diese zeigen will.» Mit der Zeit entfernte sich der Maler vom reinen Fotorealismus. «Diese Art zu malen machte Sinn, als es noch keinen Fotoapparat gab», wendet er ein. «Heute male ich eine Mischung aus figurativer Malerei und Surrealismus.»

Symbolhafte Botschaft

Dieser Stil zu Malen ist auch bei der Serie «Zwischentöne» zu sehen, bei welcher sich La Cola dem Kind und der heutigen Gesellschaft widmete. Einige dieser Werke sind noch bis 24. August im Hotel Arte/Pallas Klinik in Olten ausgestellt. «Die Bilder entstanden aus eigenen Erfahrungen, wie zum Beispiel hier», meint La Cola und zeigt auf eines der Bilder, das einen sitzenden unteren Körperteil einer Frau in Minirock und Highheels zeigt, die in der einen Hand die Seile der Schaukel, auf welcher ein Mädchen sitzt, und in der anderen verschiedene Tüten hält. «Dadurch, dass sich Frauen in der heutigen Gesellschaft vermehrt für eine Karriere entscheiden, treten dabei Wünsche wie die Familienplanung oft in den Hintergrund. Die Zeit vergeht und schliesslich stellen die Paare fest, dass etwas fehlt», meint der Maler nachdenklich und fügt an: «Meine Werke zeigen zwar leuchtende Farben, dahinter steckt aber immer eine symbolhafte Botschaft.» Eine solche wollte La Cola auch mit seinem bedeckten David von Michelangelo vermitteln. «Ich musste bei meiner Ausstellung im Kantonsspital Olten ein Bild abhängen, weil es zwei Frauen von hinten in knappen Hotpants zeigt. Kunst sollte nicht zensuriert werden, deshalb entschied ich mich als Antwort darauf einen provokanten, zeitgemässen David, nicht wie in der Kunst üblich nackt, sondern mit einem Röckchen zu malen. Daneben werden die Politik und eine Schafherde, also das Volk, thematisiert», erzählt La Cola, der sich nicht scheut seine Bilder zu erklären. Fasziniert von der Mythologie platziert er auch immer wieder ausgewählte Tiere in seinen Werken.

Perfektion treibt an

Nachdem er seine Arbeit als Einkaufsleiter zuerst auf ein 80%-Pensum reduzierte, um mehr Zeit fürs Malen zu haben und schliesslich 2016 überlegte nochmals Stellenprozente einzusparen, seien es seine Ehefrau und seine beiden erwachsenen Kinder gewesen, die ihn ermutigten ganz auf die Kunst zu setzen. «Ich hatte bis dahin wenig Zeit, um mich eingehend mit der Malerei auseinander- zusetzen. Seither konnte ich durch die tägliche Arbeit gute Fortschritte erzielen», so La Cola, der regelmässig am Oltner Kunstmarkt zu sehen war. Als Künstler möchte er sich jedoch nicht bezeichnen. «Ich bin Maler. Dabei bin ich selbst mein härtester Kritiker und stets treibt mich die Frage an, wieso ich die Idee im Kopf nicht genau so aufs Papier bringen kann. Das Hinterfragen, Verbessern und insbesondere ehrlich zu sich selbst sein, sind wichtige Prozesse», erzählt er mit leuchtenden Augen und seine Leidenschaft für die Kunstmalerei wird spür- und sichtbar.

Ausstellungen
«Zwischentöne»
Hotel Arte/Pallas Klinik, Olten
bis 24. August

«Retrospektive 2014-2018»
Rathaus Aarburg
Vernissage: Mittwoch, 17. April, 18.30 Uhr, April bis Oktober

www.lacola.ch

 

 

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