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22.05.2019

Adieu, Bärechäller!

So wird man ihn beim Konzert von «Happy Home Funk Unit» am Freitag, 24. Mai das letzte Mal sehen: Rolf Nyffeler hinter der Bar im Bärechäller Aarburg. Das Lokal wird geschlossen. (Bild: Franz Beidler)

So wird man ihn beim Konzert von «Happy Home Funk Unit» am Freitag, 24. Mai das letzte Mal sehen: Rolf Nyffeler hinter der Bar im Bärechäller Aarburg. Das Lokal wird geschlossen. (Bild: Franz Beidler)

Bärechäller Aarburg Nach dreizehn Jahren und mehr als 450 Konzerten ist Schluss: Der Bärechäller Aarburg macht seine Tore dicht. Initiator Rolf Nyffeler veranstaltet das letzte Konzert morgen Freitag, 24. Mai. Die Band «Happy Home Funk Unit» spielt zum traurigen Abschluss.

Franz Beidler

Ende Mai hätte das Jahresprogramm normalerweise schon festgestanden, erzählt Rolf Nyffeler.
Er erhalte viele Anfragen von Bands, die im Bärechäller Aarburg spielen wollen. «Jetzt muss ich allen absagen.» Der 62-Jährige war nicht nur Programmchef des Konzertlokals, er war die treibende Kraft dahinter: Initiator, Geschäftsführer, Barkeeper, Türsteher und Putze in Personal- union. «Wenn dir etwas Freude macht, dann machst du’s einfach», pflegt Nyffeler zu sagen. Inzwischen legt sich ein wehmütiger Blick in seine Augen, wenn er den Satz ausspricht. Mitte Dezember des letzten Jahres bekam er die Botschaft: Der Besitzer des Lokals meldete Eigenbedarf an. «Man sagte mir, der Raum solle umgebaut und danach vermehrt für Seminare genutzt werden», erzählt Nyffeler. Man habe ihm aber gesagt, dass er den Bärechäller möglicherweise weiterführen könne, wenn er dazu einen Verein gründe. So rief Nyffeler im vergangenen Januar zusammen mit den befreundeten Aarburgern Helmut Kuppelwieser und Bruno Hostettler den «Verein zur Förderung kultureller Anlässe Aarburg» ins Leben. Es half nichts. Nach dreizehn Jahren und mehr als 450 Konzerten ist Schluss.

«Nur eine versiffte Dreckhöhle»

Am Freitag, 24. Mai um 21 Uhr beginnt das letzte Konzert im Bärechäller. Die Band «Happy Home Funk Unit» wird es bestreiten, alles Musiker, die auch schon mit Nyffeler musiziert haben. Der ist neben seiner Tätigkeit als Betreiber des Bärechällers ausgebildeter Saxophonist und Klarinettist und unterrichtet an mehreren Musikschulen. «Ich weiss, wie es ist, auf der Bühne zu stehen», sagt Nyffeler. So wisse er auch, was ein Konzertlokal bieten müsse, damit sich die Musiker wohlfühlen. «Der schönste Moment war für mich jeweils, wenn die Musiker eintrafen und ich sie begrüssen und ihnen schon mal etwas zu trinken anbieten konnte.» Er sei schon immer ein leidenschaftlicher Gastgeber gewesen. «Etwas machen, um es weiterzugeben», nennt es Nyffeler. Das beherzigte er schon, als er im November 2006 den Bärechäller aus der Taufe hob. «Ich wollte ein Konzert für die Band Rutishuser & Co. organisieren, in der ich mitspiele», erinnert sich Nyffeler. Das Restaurant Bären sei seine Stammbeiz gewesen, also habe er nachgefragt, wie es denn um den Gewölbekeller darunter stehe. «Da war nichts, nur eine versiffte Dreckhöhle.» Also sei er mit einer Schaufel in der Hand runter und habe den ganzen Schutt weggeschaufelt. Dann zeigte sich, dass die Wände voll Schimmel waren. «Dreieinhalb Tage lang habe ich mit einem Spachtel den ganzen Schimmel von den Wänden gekratzt», erzählt Nyffeler mit einem nostalgischen Lächeln. Nachdem er aus Schaltafeln einen Bühnenboden gezimmert hatte, war der Bärechäller bereit. «Baustellen-Konzerte» hiessen die ersten Veranstaltungen. Zwar mit dreckigen Schuhen, dafür mit guter Laune sei das Publikum jeweils aus dem Keller gestiegen. Licht- und Tonanlage musste Nyffeler für jedes Konzert neu installieren.

«Die Bands wurden nicht reich hier»

Drei Jahre lang betrieb er den Bärechäller in dieser Form. Im Sommer 2009 entschloss er sich zu einer umfassenden Renovation. Der Bärechäller erhielt einen richtigen Boden, eine neue Bar, Tische, Stühle und wurde an die Kanalisation und das Warmwasser angeschlossen. «Und wir montierten endlich eine Türe», erzählt Nyffeler. Ausserdem habe er mit seinem Schwiegervater die Kellertreppe neu gemauert. «Als wir später ein Klavier nach unten transportierten, mussten wir die Ecke zum Eingang wieder wegspitzen, um durchzukommen», erinnert sich Nyffeler lachend. Auch eine neue Bieranlage habe er damals eingebaut, ohne zu wissen, wie sie funktioniert. «Als die Anlage nach dem ersten Konzert voller Bierschnecken war, lernte ich schnell, wie sie zu unterhalten ist.» Auf diese Weise habe er sich über die Jahre viel Wissen angeeignet. Inzwischen sei es zu seinem Ritual geworden, nach jedem Konzert noch am gleichen Abend die Bieranlage durchzuspülen. «Ich war immer der Erste, der kam und der Letzte, der ging.» 2010 machten Besucher Nyffeler darauf aufmerksam, dass er für den Betrieb des Bärechällers Subventionen erhalten könnte. So stellte er einen Antrag beim Aargauer Kuratorium und erhielt prompt 8’000 Franken für die Programmgestaltung. Ausserdem konnten die Clientis-Bank und die Apotheke Hostettler als Sponsoren gewonnen werden und endlich konnte sich Nyffeler einen Lohn für seine Arbeit bezahlen, wenn auch einen bescheidenen. «Die Bands wurden auch nie reich hier unten.»

«Den Bühnenboden nehme ich mit»

«Hier wird etwas aus Aarburg rausgerissen», erklärt Nyffeler. Viele seien jeweils erst nach den Konzerten in den Bärechäller gekommen. Sie kamen also nicht wegen der Musik, sondern wegen der Gemeinschaft, die sich um den Bärechäller gesellte und ihnen ein Stück Heimat bedeutete. «Aarburg hat viele Gewölbekeller», zeigt sich Nyffeler kämpferisch. In einem habe er schon eine Bar, eine Bühne, Tische und Stühle vor seinem inneren Auge gesehen. Fest steht aber noch gar nichts, ausser dass er den Bärechäller bis am Samstag, 1. Juni geräumt haben muss. «Die Schaltafeln des Bühnenbodens nehme ich mit. Die gehören mir.»

Letztes Konzert im Bärechäller Aarburg
Happy Home Funk Unit
Freitag, 24. Mai, 21 Uhr
Bärechäller, Städtchen 16, Aarburg

www.baerechaeller.ch

 

 

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