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07.08.2019

Zirkusluft schnuppern

Beim Zirkus Chnopf stehen Profis und Nachwuchs-Artisten auf der Bühne, so auch die 17-jährige Joana Spuhler (2. vl.) (Bild: ZVG)

Beim Zirkus Chnopf stehen Profis und Nachwuchs-Artisten auf der Bühne, so auch die 17-jährige Joana Spuhler (2. vl.) (Bild: ZVG)

Zirkus Chnopf Anlässlich ihrer 29. Tournee macht der Zirkus Chnopf mit seinem neusten Stück «Optimum» vom Mittwoch, 21. bis Sonntag, 25. August in der Oltner Schützi Halt. Dabei stehen nicht nur Profis, sondern auch jugendliche Laienartisten auf der Bühne.

Mirjam Meier

Mitten im idyllischen Dörfchen Lajoux im Kanton Jura stehen Zirkuswagen auf der Wiese und daneben eine Bühne unter freiem Himmel. Das Bühnenbild zeigt die «Optimierungsfabrik», die mit der in der Höhe platzierten Schaltzentrale in Kleinstausführung an Produktionen von Karl’s kühne Gassenschau erinnert. Popcorngeruch liegt in der Luft während zwei junge Darsteller auf der Bühne mit Gesang und Gitarre an ihrem Lied feilen. Daneben sind auf dem kleinen Gelände Artistinnen und Artisten mit Aufwärmübungen beschäftigt. «In der Regel spielen wir von Mittwoch bis Sonntag. Am Abend packen wir zusammen, um uns am Montag zum neuen Standort zu verschieben. Der Dienstag ist unser Sonntag», erzählt Gesamtleiter Konrad Utzinger.

Nachwuchsförderung im Zirkus

Der Kleinzirkus Chnopf entstand 1990 aus einem Projekt, bei welchem erwachsene Theater- pädagogen sowie Kinder mitwirkten und gemeinsam eine Vorstellung auf die Beine stellten. «Die Mitwirkenden waren so begeistert, dass sie für das Folgejahr eine kleine Tournee organisierten», erzählt Utzinger, der zwar nicht seit den Anfängen, aber bereits als Jugendlicher vier Saisons mit dabei war und anschliessend die Zirkusschule Cirque Zôfy in Sion absolvierte. Nach einigen eigenen Projekten stiess der 36-Jährige vor sieben Jahren als Gesamtleiter wieder zum «Chnopf». Der Kleinzirkus ist als gemeinnütziger Verein organisiert und wird finanziell durch Stiftungen getragen. Über die Jahre ist der «Chnopf» nicht nur personell, sondern auch durch neue Disziplinen gewachsen und vereint heute Theater, Zirkuskunst und Musik. Der Grund-gedanke der Nachwuchsförderung im Bereich Artistik und physisches Theater ist geblieben. Auch für diese Saison haben deshalb im vergangenen Herbst neben den Profi-Artistinnen und -Artisten auch interessierte Jugendliche am Casting teilgenommen. So beinhaltet das 17-köpfige Ensemble mit der 16-jährigen Zora Eichenberger, der 17-jährigen Joana Spuhler, dem 21-jährigen Yann Forster und der ebenso jungen Julie Robatel vier Nachwuchs-Artistinnen und -Artisten, die beim «Chnopf» während einer Saison Zirkusluft schnuppern.

Mit dem Zirkus auf Tour

Die 17-jährige Joana Spuhler aus Zürich hat bereits als kleines Mädchen beim Kinderzirkus Robinson erste Erfahrungen gesammelt. «Ich habe einige Vorstellungen des Zirkus Chnopf gesehen und wollte unbedingt bei einer Tournee mitwirken», erzählt die Gymnasiastin lächelnd. Sie habe eine Nummer zusammengestellt und sich im vergangenen Herbst beworben, so die
17-Jährige. Ab Februar hätten die Wochenendproben begonnen und im April sei das ganze «Chnopf»-Ensemble für die Vorbereitungen ins Zirkusquartier nach Zürich-Altstetten gezogen.
In der 2016 gegründeten Heimbasis finden auch während der Tournee Artistik- und Theater-Workshops statt. «Seit wir auf Tournee sind, bleibt nicht mehr gleich viel Zeit fürs Training, da ich daneben einigen Stoff für die Kanti nacharbeiten muss», erzählt Spuhler, die im Stück «Optimum» einen Solo-Part am Trapez und daneben den Handstand, Nummern am chinesischen Mast und auf dem Einrad zeigt. Eineinhalb Tage pro Woche sind für Schularbeiten eingeplant, dabei können sich die Jugendlichen bei Fragen an das mitreisende Teammitglied und Lehrer Tobias Bolliger wenden. Spuhler schätzt das familiäre Zusammensein und die Möglichkeit, aufgrund der Infrastruktur ständig trainieren zu können. Daneben sei auch der Rückzug im Zirkuswagen möglich. Sie habe sich noch nicht entschieden, ob sie nach ihrem Kanti-Abschluss die Zirkusschule absolvieren wolle, aber sicherlich sei der Wunsch während ihrer «Chnopf»-Zeit gewachsen. Hingegen etwas gelegt habe sich die Nervosität vor einem Auftritt, erzählt Spuhler lachend. Ein gewisses Mass sei aber nötig, damit sie während ihrem Einsatz konzentriert bleibe.

Vorstellungen unter freiem Himmel

«Die Artisten sind während der Tournee, die in der Regel von ca. Juni bis September dauert, jedoch nicht nur für ihren Auftritt zuständig», betont Utzinger. «Anders als bei grossen Zirkusunternehmen, packen bei uns alle beim Auf- und Abbau mit an», so der Gesamtleiter. Dabei helfe sicher, dass beim Freilichtspektakel nicht noch ein Zelt auf- und abgebaut werden müsse. «Unter freiem Himmel zu spielen ist zwar wettermässig ein Risiko, doch in der Regel müssen von den 60 Aufführungen nur fünf bis sechs Vorstellungen abgesagt werden. Die wechselnde Stimmung durch die jeweilige Landschaft vor Ort und die Möglichkeit, auch Leute anzusprechen, die ansonsten nie ein Zirkuszelt betreten würden, überwiegen die Nachteile bei weitem.» Die Vorstellung für jeden zugänglich zu machen hat die Gruppe auch dazu bewogen, keine Tickets zu verkaufen, sondern eine Hutkollekte durchzuführen. Obwohl die Vorbereitungen für das Programm vom nächsten Jahr in der Kerngruppe bereits begonnen habe, falle der gemeinsame Startschuss jeweils im Januar. «Gemeinsam mit dem Regisseur, aber auch den verschiedenen Artistinnen und Artisten sowie den Bühnenbildnern wird das Stück kreiert», erklärt Utzinger. Das diesjährige Programm widmet sich dem Optimierungszwang und schafft damit einen starken Bezug zur heutigen Gesellschaft. «Alle Zirkus Chnopf- Programme sind sowohl spannend für Kinder ab dem Schulalter, beinhalten aber auch Ebenen, welche die Erwachsenen ansprechen», so Utzinger.

Zirkus Chnopf zeigt «Optimum»
Mittwoch, 21. August, 16.30 Uhr
Freitag, 23. August, 19.30 Uhr
Samstag, 24. August, 19.30 Uhr
Sonntag, 25. August, 16.30 Uhr

www.chnopf.ch

 

 

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