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04.09.2019

Eishockey im Kopf

Der EHC-Olten Coach Fredrik Söderström vor dem Panorama, das er bei seiner ersten Ankunft in Olten schon genoss: Der Blick über die Aare an die Kreten vom Jurasüdfuss. (Bild: Franz Beidler)

Der EHC-Olten Coach Fredrik Söderström vor dem Panorama, das er bei seiner ersten Ankunft in Olten schon genoss: Der Blick über die Aare an die Kreten vom Jurasüdfuss. (Bild: Franz Beidler)

EHC Olten Der EHC Olten startet nächste Woche mit Fredrik Söderström als Headcoach in die neue Saison. Mit Geduld und Köpfchen will der Schwede den EHC zum Erfolg führen.

Franz Beidler

Als er das erste Mal in Olten einfuhr und den Froburghang sah, sei er begeistert gewesen von den Schweizer Bergen, erinnert sich Fredrik Söderström lachend. «Dabei ist das für euch ja nur ein Hügel», hängt der Schwede amüsiert an. Der Blick über die Aare an die grün bewachsenen Kreten des Jurasüdfusses bewundert der 42-jährige seither immer von Neuem. «Für mich als Schwede ist dieses Panorama einzigartig», sagt er von der Landschaft um Olten. Auf diese Saison hin übernahm Söderström den Posten des Cheftrainers beim EHC Olten. «Der Entscheid ist mir leichtgefallen», erzählt Söderström. EHCO-Präsident Marc Thommen, CEO Patrick Reber und Sportchef Marc Grieder reisten im April nach Oslo, um Söderström für ein Engagement in der Dreitannenstadt zu gewinnen. «Sie waren sehr professionell», erinnert dieser sich. «Der EHC Olten verdient Erfolg», ist er seither überzeugt. Nach zwei Jahren bei den Storhamar Dragons in der höchsten Norwegischen Spielklasse zog er Ende Juli nach Hägendorf, um seine neue Stelle anzutreten. «Das ist auch persönlich eine neue Herausforderung.»

«Hopp Oute!»

«An einem neuen Ort mit einer neuen Kultur muss ich die Leute neu verstehen lernen», hält Söderström fest. Deshalb müsse er Deutsch lernen, er habe sich schon zwei Lernbücher gekauft. «Es wenigstens zu versuchen, ist eine Frage des Respekts», findet er und erzählt, wie er ständig nach Übersetzung und Bedeutung von Wörtern fragt. «Im Team gehe ich damit schon allen auf die Nerven», sagt er schmunzelnd und ruft ein kurzes «Hopp Oute» in einwandfreier Aussprache. «Je mehr ich weiss, desto besser verstehe ich die Mentalität.» Der Schweiz attestiert er eine grosse Vielfalt: «Ein Deutschschweizer reagiert anders als ein Welscher oder ein Tessiner.» Diese feinen Unterschiede reizen ihn an seinem neuen Posten. «Vor Jahren, als junger Trainer, bekam ich den Rat, dass ich alle Spieler auf die gleiche Art behandeln soll», erzählt Söderström. Bald sei ihm jedoch klar geworden, dass genau das Gegenteil der Fall ist: «25 Spieler müssen auf 25 unterschiedliche Arten behandelt werden», ist er überzeugt. «Nur so kann ich jeden Einzelnen erreichen.» Kommunikation sei das Wichtigste in seinem Job. «Ich höre zu und diskutiere», erklärt er seine Führungsphilosophie. Hockeywörter, wie er den beliebten Fachjargon von Trainern, Spielern, Staff und Fans nennt, seien wichtig. «Aber am Ende drehen wir uns immer um dieselbe Frage: Wie bringe ich Menschen dazu, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen?» Hockeyspieler zu coachen, ist für ihn daher vor allem Kopfsache.

Ein unangenehmer Titel

Dass Söderström fähig ist, die Frage zu beantworten, zeigte nicht zuletzt sein vorheriges Engagement. Mit den Storhamar Dragons gewann er in seiner ersten Saison den Meistertitel und qualifizierte sich für die Champions Hockey League. Für den überraschenden Titelgewinn wurde er zu Europas Coach des Jahres gekürt. «Das war mir unangenehm.» Der Titel sei schliesslich nicht nur sein Verdienst gewesen. «Erfolg haben wir nur zusammen, wenn jeder für den Anderen einsteht.» Zum selben Schluss kommt er, wenn er von seinem allerersten Titel als Trainer erzählt: dem Gewinn der Junior-Championship mit Leksand IF, seinem Heimatklub. Er war erst 23 Jahre alt, die Spieler 18. «Ich war zu jung, um ein guter Trainer zu sein», erinnert er sich schmunzelnd. Nur drei Jahre zuvor, mit 20, hatte er entschieden, seine Karriere als Spieler zu beenden. «Ich war zu schlecht. Ich wäre nie ein Top-Spieler geworden», sagt Söderström klar. In eine Eishockey-Familie geboren, war Weltklasse immer der Eigenanspruch. Söderströms Vater ist Dan Söderström, mehrfacher Schwedischer Meister und Bronze- und Silbermedaillengewinner an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. «Meine Entscheidung hat ihn überrascht», weiss Söderström heute. «Aber wie jeder Vater wünscht er sich das Beste für mich, egal was ich tue.» Als Spieler gescheitert schlug er eine Laufbahn als Buchhalter in der Wirtschaft aus und nahm stattdessen einen schlechtbezahlten Posten als Juniorentrainer bei seinem Heimatklub an. «Meine Mutter fragt mich im Schalk bis heute, ob ich nicht in einen richtigen Beruf wechseln wolle. Dann lachen wir zusammen.» Die Entscheidung bereute er nie, er sei nicht der Typ, der Dinge bereue. «Ich habe aber jedes Jahr ein paar Tage, an denen ich mich frage, ob Coaching wirklich das ist, was ich tun will», zeigt sich Söderström nachdenklich.

«Eishockey ist ein Marathon»

«Eishockey ist nicht das Einzige in meinem Leben», stellt er klar. Er interessiere sich für Politik und Gesellschaft, «weil diese Dinge Einfluss auf mein Leben haben.» Während seiner Zeit in Norwegen verfasste er Kolumnen für die örtliche Zeitung. «Ich hatte freie Wahl bei den Themen», erinnert er sich. Mit einem Text über die Bezahlung von Lehrern trat er eine öffentliche Diskussion los. Und Söderström liest. «Ich bin süchtig danach.» Als er vor etwas mehr als zehn Jahren Probleme hatte, einzuschlafen, «typisch für Hockeytrainer», habe er damit begonnen. «Am liebsten Krimis», sagt er, «und ich will die Oltner Autoren kennenlernen.» An den intensiven Auftakt des EHCO mit drei Spielen in vier Tagen hat er seine Eltern eingeladen. «Klar ist ein guter Start wichtig, aber Hockey ist kein 100-Meter-Lauf, es ist ein Marathon.» Es werde Niederlagen geben, so sei das im Sport. «Aber ich sehe viel Potential.»

Erstes Heimspiel der Saison
EHC Olten - SC Langenthal
Samstag, 14. September, 17.30 Uhr
Eisstadion Kleinholz, Olten

www.ehco.ch

 

 

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