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20.11.2019

Christ surft die Erfolgswelle

Lisa Christ freut sich auf ihren Auftritt am 23. November, obwohl das Oltner Publikum manchmal etwas ambivalent sei. (Bild: ZVG)

Lisa Christ freut sich auf ihren Auftritt am 23. November, obwohl das Oltner Publikum manchmal etwas ambivalent sei. (Bild: ZVG)

Lisa Christ steht am Samstag, 23. November erstmals mit ihrem Programm «Ich brauche neue Schuhe» auf der Oltner Bühne. Sie erzählt von ihrer Moderationstätigkeit am Fernsehen, wichtigen Bestätigungen und wieso sie nun in Zürich lebt.

Mirjam Wetzstein

Auf zwei besonders ereignisreiche Jahre kann Slam-Poetin, Kabarettistin und Moderatorin Lisa Christ zurückblicken. Nach ihrem Masterabschluss in Vermittlung in Kunst und Design erhielt die gebürtige Wisnerin im Jahr 2017 das Atelierstipendium vom Kanton Solothurn, welches sie zu Be- ginn des darauffolgenden Jahres in Sierre (VS) antrat, um an ihrem ersten abendfüllenden Pro- gramm zu arbeiten. Erste Ausschnitte davon zeigte Christ anlässlich des 7. Oltner Kabarett-Cas- tings vor eineinhalb Jahren und holte sich damit den Sieg. Der Förderpreis beinhaltete ein einjäh- riges, professionelles Coaching sowie den Auftritt an der «Wunschfeder» an den diesjährigen Ka- barett-Tagen.

Wichtige Bestätigung

Christ steht seit rund 12 Jahren mit ihren mal gefühlvollen, mal bissigen Texten, die aktuell oft das Älter werden sowie die Frau in der heutigen Gesellschaft thematisieren, auf Poetry Slam-Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Im 2011 wurde sie mit dem U20-Schweizermeistertitel ausgezeichnet und 2016 sowie 2018 stand sie im Finale der deutschsprachigen Poetry Slam-Meis- terschaften. Im vergangenen Jahr sind einige der Texte in ihrem ersten Buch «Im wilden Frucht- fleisch der Orange» im Knapp Verlag erschienen. So folgte auf ein aufregendes 2018 schliesslich ein nicht weniger spannendes 2019: Zum einen feierte Christ im Frühling Premiere mit ihrem Pro- gramm «Ich brauche neue Schuhe», bei dem Nicole Knuth, Schauspielerin und Sängerin bei Knuth und Tucek Regie führte. Zum anderen moderierte sie ab Juni vier Ausgaben der «Comedy Talent Show» im Schweizer Fernsehen. «Es waren tatsächlich spannende zwei Jahre seit meinem Masterabschluss. Seither bin ich selbstständig tätig, was mich sehr freut. Ausserdem gefällt mir und geniesse ich die Möglichkeit, stets Neues entdecken zu können», so Christ dankbar. Auch die Arbeit beim Schweizer Fernsehen habe ihr grossen Spass bereitet. «Dadurch, dass es sich beim Format um eine von mir moderierte Live-Show handelte, habe ich die beiden Kameras nicht allzu- gross wahrgenommen», erzählt Christ, die einige Moderationserfahrung mitbrachte. Auf die Situa- tionen, in welchen sie direkt in die Kamera zu sprechen hatte, sei sie mit einem Training gut vor- bereitet worden. «Die Moderation der «Comedy Talent Show» und die Arbeit beim Schweizer Fernsehen haben mich auch persönlich bestätigt», erzählt die 28-Jährige rückblickend. «Ich war mega nervös, mich am Fernsehen zu sehen, das in der Regel befremdend ist. Doch was ich sah, fand ich nicht schlecht und stellte mich zufrieden. Dies sorgte, mit dem Wissen, dass viele Leute Vertrauen in mich haben und mir eine Chance gaben, für ein gutes Gefühl», so Christ dankbar und stellt klar: «Am Ende des Tages mache ich den Job alleine: Ich schreibe alles selbst und stehe alleine auf der Bühne, weshalb eine solche Bestätigung sehr wichtig ist.»

Bissig und lauthals

«Der Zauber verfliegt, wenn man selbst etwas kann, wie das Autofahren», erzählt Christ in ihrem Stück «Ich brauche neue Schuhe» vom Älter werden und berichtet weiter von schwangeren Freun- dinnen und zahlreichen Hochzeitseinladungen, die sie manchmal bissig und lauthals kommentiert. Und sie sorgt in Zeiten des Fitnesswahns mit dem Satz, «ein Leben muss einfach ein bisschen fett sein» für Lacher und zustimmendes Kopfnicken. Daneben will Christ, die bekennende Feministin, aber auch zum Nachdenken anregen: «Wieso sollte man weich sein wollen in einer Welt voller Härte.» Sie empfände die Situation der Frauen zwar als besser als noch vor der «MeToo»-Debatte und anerkenne grosse Schritte in den vergangenen Jahren, fände jedoch, dass viele das Grund- problem noch nicht erkannt hätten. Es dauere wohl noch zwei bis drei Generationen, bevor sich grundlegend etwas ändere.

Vielspurig tätig

Seit Kurzem wohnt Christ nicht mehr in der Eisenbahnerstadt, sondern in Zürich. Aufgrund ihres zeitlich verschobenen Tagesrhythmuses mit administrativer Arbeit tagsüber und schweizweiten Auftritten am Abend, fühle sie sich in Zürich mehr als Teil der Gesellschaft. Zudem würden ihr die Leute grundsätzlich wertfreier begegnen, als dies in Olten der Fall gewesen sei, erzählt Christ. Nichtsdestotrotz freue sie sich sehr auf den Auftritt in der Dreitannenstadt, obwohl das Oltner Pub- likum manchmal etwas ambivalent sei und man nie wisse, was man bekomme. Bis nächsten Som- mer ist die Kabarettistin auch dank des ihr im August am NordArt Festival verliehenen «Jungseg- ler-Förderpreises» gut beschäftigt. Dieser ermöglicht ihr eine Tour durch 14 Kleintheater sowie ei- nen Auftritt an der Künstlerbörse 2020 in Thun. «Der Preis ist unbezahlbar, denn durch die vielen Spielmöglichkeiten gewinne ich an Routine sowie Textsicherheit und dadurch an mehr Spielfrei- heit.» Nachgefragt nach ihren Wünschen für das nächste Jahr meint Christ, dass sie es grundsätz- lich schätze in vielen verschiedenen Bereichen, wie dem Podcast «Faust & Kupfer», dem Schrei- ben von Kolumnen, dem eigenen Programm und der Mitgliedschaft im Vorstand des Vereins «Slam Alphas», tätig zu sein. «Vielleicht wird sich irgendwann eine Richtung kanalisieren, aber momentan gefällt es mir sehr, vielspurig zu arbeiten», so Christ.

Lisa Christ: «Ich brauche neue Schuhe»
Samstag, 23. November, 20 Uhr
Schwager Theater, Industriestr. 78, Olten

www.lisachrist.ch

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