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26.02.2020

Ausserhalb der Norm

Die Starrkirch-Wiler Künstlerin Daniela Müller möchte den Blick des Betrachters für das nicht Offensichtliche öffnen. (Bild: mim)

Die Starrkirch-Wiler Künstlerin Daniela Müller möchte den Blick des Betrachters für das nicht Offensichtliche öffnen. (Bild: mim)

Daniela Müller Ab morgen Freitag, 28. Februar begeben sich Magi Stürmlin mit ihren Bildern und Daniela Müller mit ihren Objekten in der Ausstellung in der alten Kirche Härkingen auf «Spurensuche».

Von: Mirjam Wetzstein

Das Atelier in der Doppel-garage, die an das Wohnhaus anschliesst, bietet mit der grossen Fensterfront einen Blick in den weitläufigen Garten sowie einen Ausblick aufs Niederamt. Neben den Werken, die für die Ausstellung bereitstehen sowie den ausgelegten Teilen, die noch zum Sockel zusammengeschweisst werden müssen, hängt ein Plakat an der Wand, das fast bis zum Boden reicht und eine traumhafte Strand-Szenerie zeigt. Die Natur, insbesondere das Meer, bietet der Starrkirch-Wiler Steinbildhauerin Daniela Müller bei ihren Kunstwerken Inspiration und Orientierung zugleich.

Ausdauer ist gefragt

«Das ist ein Alabaster», erklärt Müller und zeigt auf einen Stein, dessen Maserung von der Künstlerin durch ausgiebiges Schleifen herausgeschaffen und in eine glänzende, muschelähnliche Form gebracht wurde. «Es handelt sich um einen weichen Stein aus Italien, der mich aufgrund seiner durchschimmernden Oberfläche begeistert», erzählt die gebürtige Bernerin, die anfang der 1990er-Jahre das Lehrerseminar absolvierte. Daneben habe sie stets das Gestalterische interessiert, das bereits ihre Mutter mit Töpferarbeiten pflegte. «Im Dreidimensionalen fühlte ich mich wohl, weshalb ich in Form einer Weiterbildung neben dem Unterrichten einen Steinbildhauerkurs belegte», erzählt Müller. Das Handwerk faszinierte die junge Frau so sehr, dass weitere Kurse, unter anderem das Steinhauen im tessiner Flussbett folgten. Nach einem Studienaufenthalt an der thurgauischen Bildhauerschule Müllheim absolvierte die damals 27-Jährige schliesslich ihre verkürzte zweijährige Steinbildhauerlehre bei Paul Agustoni im aargauischen Zuzgen. «Da ich bis zum Ende meiner Ausbildung weiterhin in Bern unterrichtete und vier Tage in der abgelegenen Werkstatt auf dem Looberg verbrachte, zog ich mit meinem jetzigen Mann nach Olten.» In ihrer unkomplizierten, bescheidenen und anpackenden Art antwortet die 45-Jährige mit einem Schmunzeln auf die Frage, ob die Arbeit als Steinbildhauerin nicht sehr anstrengend sei: «Grosse Brocken werden mit einem Lastenzug befördert, weshalb die Arbeit eher Ausdauer, denn Kraft erfordert. Ausserdem ist man auch nicht den ganzen Tag am Stein schlagen, sondern zeichnet oder fertigt etwas in Ton an.» Auf dem Looberg habe sie auch viel modelliert oder sich typografischen Arbeiten gewidmet. Doch luxuriös sei es nicht gewesen. «Am Morgen habe ich jeweils als erstes den Holzofen im Atelier eingefeuert», so Müller schmunzelnd.

Die Suche nach dem Natürlichen

«Ich sehe mich nicht als typische Künstlerin, sondern als Vermittlerin», erzählt die Starrkirch-Wilerin und fügt an: «Mich faszinieren der Prozess und die Auseinandersetzung.» Die Künstlerin hat sich mit ihren Nachbildungen stets an Materialien und Objekten orientiert, die nicht perfekt sind, sondern vielleicht im Meer von Tieren zerfressen oder mit der Zeit vom Wasser geformt wurden. Nach dem Stein hat Müller begonnen Beton zu giessen. «Als mir der Prozess mit dem Befüllen, Austrocknen und anschliessendem Abschlagen zu mühsam wurde, entdeckte ich das Spachteln und Modellieren als eine schöne Alternative», erzählt die 45-Jährige, die nach einem Material suchte, welches im Freien Bestand hat. «Der Alabaster eignet sich nicht, weil er rasch seinen Glanz verliert. Doch leider hat sich auch der poröse Beton nach einer gewissen Zeit in der Natur nicht als ideal erwiesen», erklärt die zweifache Mutter, die seit 2009 Mitglied beim Verein art.i.g und seit 2012 Co-Präsidentin ist. Zudem war sie während sieben Jahren als Leiterin Kunstvermittlung im Kunstmuseum Olten tätig.

Den Wellen nachreisen

«Vor zwei Jahren erfüllte ich mir den Wunsch, in einem Kurs an der Drehscheibe ein Tongefäss formen zu lernen», erzählt Müller und fügt lachend an: «Obwohl ich schliesslich mehr Gefallen an denjenigen Vasen fand, die dem Drall nicht standhielten und sich durch die Wucht verformten.» Bei den grösseren Objekten verzichtete die Künstlerin darauf, sie zu glasieren. Einerseits um bei der Farbe und der Beschaffenheit näher an der Natur zu bleiben und andererseits, weil sie vermeiden wollte, dass diese trotz ihrer ungewöhnlichen Form den Betrachter zu fest an eine Vase erinnert. «Mich interessiert, ob sich der Betrachter von der alltäglichen Form und Verwendung lösen kann», so Müller. Damit stellt sie die Frage nach der Norm. Eine Frage, mit der sich die ausgebildete Yogalehrerin seit einiger Zeit auch in anderer Hinsicht intensiv auseinandersetzt. Vor einem Jahr hat sie den Aufbau und die Leitung im Atelier Aloïse Corbaz in Neuendorf übernommen - ein Angebot für psychisch beeinträchtigte Menschen. «Ich erlebe, wie schnell ein Mensch mit einer Beeinträchtigung nicht mehr dem normalen Gesellschaftsbild entspricht», zeigt die vielseitig interessierte Künstlerin auf. In der alten Kirche Härkingen zeigt sie sowohl ältere Arbeiten aus Stein sowie Beton, als auch die neusten Werke aus Ton. Und was wünscht sich die 45-Jährige für die Zukunft? «Es wäre schön, mal wieder längere Zeit mit dem VW-Bus den Wellen nachzureisen», so die passionierte Surferin lächelnd.

Ausstellung: «Spurensuche»
Fr., 28. Februar bis So., 15. März
Alte Kirche Härkingen, Im Egge 6, 4624 Härkingen
Vernissage: Fr., 28. Februar, 19.30 Uhr
Kunst-Matinée: So., 8. März, 11 Uhr

www.danmueller.ch

 

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