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11.03.2020

Ohne krönenden Abschluss bereit für die neue Saison

Die SEV-Läuferinnen, darunter Elena Biedermann (zweite v.r.), müssen sich gedulden. Sie können ihre Küren leider erst an der auf den Oktober verschobenen Eisgala zeigen. (Bild: ZVG)

Die SEV-Läuferinnen, darunter Elena Biedermann (zweite v.r.), müssen sich gedulden. Sie können ihre Küren leider erst an der auf den Oktober verschobenen Eisgala zeigen. (Bild: ZVG)

Elena Biedermann trainiert seit fünf Jahren beim Eislaufclub Olten. Die 11-Jährige erzählt von ihrem Trainingsalltag, ihren Erfolgen und von der Enttäuschung, die Eisgala als traditionellen Saisonabschluss verschieben zu müssen.

Von: Mirjam Wetzstein

Sieben Läuferinnen des Eislaufclub Olten im Alter zwischen elf und sechzehn Jahren stehen am Mittwochnachmittag auf der Kunsteisbahn im Oltner Kleinholz. Jede trainiert für sich auf ihrem Level oder an ihrer jeweiligen Kür. Daneben werden Figuren unter den kritischen Blicken von Trainerin Katharina Brunner und Monitorin Ramona Peier ausgeführt. Immer und immer wieder wird bei eisigen Temperaturen derselbe Sprung geübt.

Engagement auf und neben dem Eis

Elena Biedermann gehört zu den jüngsten Läuferinnen, die an diesem Mittwoch auf dem Eis stehen. «Das Eiskunstlaufen habe ich vor fünf Jahren im Ferienpass entdeckt», erzählt die 11-Jährige nach dem Training im warmen Restaurant. Bis heute fasziniert es sie, dass sowohl Pirouetten, Sprünge und Schritte, also sehr viel Verschiedenes, in einem einzigen Lauf möglich sind. «Vor einem Monat hat es endlich geklappt: Ich habe den «Axel» gestanden, den ich seit mehr als einem Jahr geübt habe», erzählt Elena erfreut. Dabei handelt es sich um einen der ältesten der sechs Grundsprünge im Eiskunstlauf. «Jede Läuferin weiss selbst, was sie trainieren muss», betont die 11-Jährige. Obwohl die Familie Biedermann bis vor fünf Jahren keine Berührungspunkte zum Eislaufen hatte, sind inzwischen alle weiblichen Familienmitglieder im Eislaufclub Olten engagiert. Vor drei Jahren ist Elena’s jüngere Schwester Olivia dem Verein beigetreten. «Sie eifert ihrer grossen Schwester nach», erklärt Mutter Priska Biedermann, die sich seit bald zwei Jahren im Vorstand engagiert und zu ihren eigenen Fahrversuchen mit einem Lächeln in Richtung ihrer älteren Tochter meint: «Ich kann mich vorwärts bewegen, werde inzwischen jedoch eher ausgelacht.»

Bis zu sechs Stunden Training

Elena, die seit der Saison 2018/2019 an Wettkämpfen teilnimmt, hat im September mit Sternli 4 und Interbronze zwei Niveautests erfolgreich bestanden. Seither hat sie ihre Trainingszeit von vier bis fünf, auf sechs bis acht Stunden pro Woche erhöht. «Beide Tests gleichzeitig bestanden zu haben, motiviert mich, besser zu werden«, erklärt die Oltnerin, die seither vier Wettkämpfe in der Kategorie Interbronze bestritten hat. Wenn Elena mit ihren 11 Jahren von ihrem grossen Hobby Eislaufen erzählt, macht sich eine Entschlossenheit bemerkbar, die äusserlich so gar nicht zu den feinen, kindlichen Zügen passen will. «Pure Eigenmotivation», betont ihre Mutter mit einem fast entschuldigenden Lachen: «Natürlich unterstützen wir unsere Tochter soweit möglich, aber wir pushen sie nicht und sind der Meinung, dass beispielsweise die gemeinsamen Skiferien Vorrang haben.» Abgesehen vom Dienstag und Sonntag trainiert Elena neben der Schule ein bis zwei Stunden täglich. Dies beinhaltet ein Trocken- und ein Clubtraining mit freien Einheiten sowie Einzellektionen. «Dank der Unterstützung der Schule kann sie am Montag anstatt einer Turnstunde, eine Trainingsstunde absolvieren», erzählt ihre Mutter. «Am Montag findet das Trockentraining statt, in dem wir dehnen, Seil hüpfen, auf einer Drehscheibe eine Pirouette üben oder unsere Kür abfahren», erzählt die 5. Klässlerin des Hübeli Schulhauses, die neben dem Eiskunstlaufen auch gerne die Querflöte spielt oder Freunde trifft. «Am Freitagabend wird zudem, wenn kein Match des EHC Olten stattfindet und der Platz deshalb vorhanden ist, zusätzlich eine Ballettstunde angeboten», fährt Elena fort. «Im Sommer draussen und im Winter beim Eingang im Bereich der Verpflegungsstände. Dort kann die Fensterfront als Spiegel genutzt werden», erklärt Priska Biedermann und fügt lächelnd an: «Mit wenigen Mitteln wird man erfinderisch.»

Saisonabschluss ohne Höhepunkt

Seit dem Januar haben sich die insgesamt 60 Läuferinnen auf die grosse Eisgala mit einer Nummer vorbereitet. Teilnehmen sollten am traditionellen Saisonabschluss vom 14. März alle vom Sternli-Grundkurs, über die Jugend D bis zu den Läuferinnen ab Kategorie Interbronze. Letzte Woche musste der Eislaufclub Olten jedoch, wie so viele Vereine auch, ihren grossen Vereinshöhepunkt absagen. «Wir könnten die entsprechenden Auflagen, die als Massnahmen wegen des Coronavirus getroffen wurden, leider nicht einhalten», erklärt Priska Biedermann. Dieser Entscheid sei zwar für die Läuferinnen eine grosse Enttäuschung, aber sicher auch vernünftig in Anbetracht, dass jeweils viele Familienmitglieder, darunter Grosseltern, die zur Risikogruppe gehören, sich unter den Besuchern befänden. Aber auch bei Elena ist die Enttäuschung gross, denn sie hätte erstmals auf dem Niveau SEV-Interbronze mit mehreren Nummern starten dürfen. «Nun werden Videos aufgenommen, um die Choreografien von Katharina Brunner und Richard Furrer festzuhalten», erklärt sie. Denn auch ohne offiziellen Saisonabschluss geht es für die Eisläuferinnen bereits im April mit einem einwöchigen Lager in Grindelwald sowie einem Training ein bis zwei Mal pro Woche in Luzern weiter. Nach einer Sommerpause beginnt im August wieder das Training in Olten, respektive werden die Vorbereitungen für die verschobene Eisgala neu aufgenommen. Der Saisonhöhepunkt soll Ende Oktober nachgeholt werden.

www.eislaufclubolten.ch

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