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13.05.2020

Zwei Jahrzehnte Augenblicke

Gefeiert wird wegen Corona erst im nächsten Jahr: Dr. med. Alex Heuberger (l.) und Prof. Dr. med. Torsten Schlote. (Bild: ZVG)

Gefeiert wird wegen Corona erst im nächsten Jahr: Dr. med. Alex Heuberger (l.) und Prof. Dr. med. Torsten Schlote. (Bild: ZVG)

Augenklinik Heuberger Ein Jubiläumsjahr in zweifacher Hinsicht: Alex Heuberger feiert mit seiner Augenklinik und mit dem Mexiko-Projekt einen runden Geburtstag.

Von: Mirjam Wetzstein

Normalerweise würden in diesem Raum Schulungen für angehende Augenärzte stattfinden, erklärt Prof. Dr. med. Torsten Schlote. Die Tage hätte auch das 20-jährige Jubiläum mit Publikumsvorträgen sowie einem Fest gefeiert werden sollen. Doch das Coronavirus hat auch in der Augen-klinik Heuberger für verordnete Entschleunigung gesorgt. Zwar dürfen seit 27. April wieder fast alle Behandlungen durchgeführt werden, dies jedoch stets unter den vom BAG festgelegten Schutz- und Hygienevorgaben, weshalb keine volle Auslastung möglich ist. «Wir haben die Kinderabteilung in den Mittelflügel umplatziert, damit sich die jüngere und ältere Generation nicht begegnet», erzählt Schlote von einer Massnahme.

Dem Auge verschrieben

Vor seinem Medizinstudium war Alex Heuberger, der einer Oltner Handwerkerfamilie entstammt, als Schreiner tätig. «Ein schöner Handwerksberuf, doch ich wollte mir den Wunsch erfüllen und die Welt verstehen lernen», erzählt Heuberger. Aufgrund seines Wissensdurstes, insbesondere für den Bereich Naturwissenschaften, habe sich die Medizin angeboten. Der Entscheid für die Augenheilkunde kam Ende seines Studiums. «Nach einem spannenden Monat, den ich in Olten bei Chefarzt Grigoris Pallas verbrachte», erzählt Heuberger, der schliesslich nach der eigenen Praxis am 1.1.2000 seine Augenklinik auf dem Gelände des Kantonsspitals Olten eröffnete. Trotz der vergangenen Zeit ist Heuberger noch heute vom «kleinen Organ, das so viel leistet» fasziniert. Es seien jedoch nicht nur die offensichtlichen Fähigkeiten des Auges, wie Bilder zu transportieren. Das Licht steuere beispielsweise auch den Biorhythmus des Menschen. «Es ist unheimlich, was alles neu gelernt werden muss, wenn in gewissen Fällen der Verlust der Sehkraft nicht aufgehalten werden kann», zeigt Heuberger auf und nennt die Orientierung und Blindenschrift als Beispiele. «Das Sehen ist gerade in unserer digitalen Welt sehr wichtig und die Ansprüche an die Sehkraft steigen ständig», ergänzt Schlote, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Beate seit rund zwölf Jahren dem Team der Augenklinik Heuberger angehört und die Medizinische Leitung innehat.

Im Wandel der Zeit

Zwei grosse Entwicklungen hätten die Augenheilkunde in den vergangenen Jahrzehnten massgeblich beeinflusst. Die Lasertechnologie. «Mit Zürich und Basel gehörten wir in Olten mit dieser zu den Pionieren», erzählt Heuberger von der Lasertechnik, die während einer Operation das manuelle Aufschneiden des Auges ersetzt, aber auch in der Diagnostik ein wichtiger Meilenstein darstellt. Der Graue Star könne heute mittels Laser operiert werden, so auch teilweise der Grüne Star. «Wir sind jedoch noch nicht am Ende der Lasertechnikentwicklung angekommen», ist Heuberger überzeugt. Zudem gebe es heute patente Medikamente. «Bei einer Makulaerkrankung wird die Netzhaut im hinteren Bereich des Auges - an der Makula - angegriffen. Medikamente können helfen den Verlust der Sehkraft zu verlangsamen oder beispielsweise beim Grünen Star den Druck zu senken», erklärt der Augenspezialist. Neben diesen Entwicklungen hat sich auch das Unternehmen verändert. Inzwischen sind neben dem Hauptstandort Olten, Heuberger Augenkliniken in Solothurn, Balsthal und Oftringen sowie neu in Biel zu finden. «Ich bin in Olten im Westflügel des heutigen Gebäudes mit vier Mitarbeiterinnen gestartet», blickt der 67-Jährige zurück und meint schmunzelnd: «Damals haben wir beim Weihnachtsessen noch an einem kleinen Tisch Platz gefunden.» Nach und nach kam auch ärztliche Unterstützung hinzu. Inzwischen sind gesamthaft über 50 Angestellte beschäftigt. Heuberger freut sich, dass die Klinik, die sich mit Beratungen, operativen Eingriffen und einer Sehschule zu einem Kompetenzzentrum für das Auge entwickelt hat, organisch gewachsen ist. «Dabei sind wir dem Auge treu geblieben und verzichten auf medizinisch unnötige Eingriffe», so Heuberger, dem Wissen weiterzugeben nicht erst seit der Gründung der Sehschule, eine seit 2018 anerkannte Weiterbildungsstätte, ein Anliegen ist.

20 Jahre Einsatz in Mexiko

Vor 20 Jahren reiste Heuberger mit weiteren Augenärzten nach einem Gespräch mit seinem Mitarbeiter Manuel Villalvazo, der ihm von den problematischen medizinischen Verhältnissen in Mexiko berichtete, erstmals über den Atlantik. Seither operiert der Augenchirurg jährlich mit einem Ärzteteam während zwei Wochen Einheimische, die am Grauen Star erkrankt sind und sich keine Operation leisten können. Mit der Gründung des Vereins Bekämpfung der Weltblindheit konnten über die Jahre Spendengelder generiert werden, um die Technik vor Ort aufzurüsten. «Auf das Projekt wurden auch die Behörden aufmerksam, was dazu führte, dass diese heute ihre Kliniken besser ausstatten. Um das Projekt nachhaltiger zu gestalten, bilden wir zudem seit Jahren auch Ärzte vor Ort in operativen Technologien aus. Wissen weiterzugeben macht Spass, ob in Mexiko oder in Olten», betont Heuberger, der die Reise nach Mexiko trotz der bereits gepackten Koffer wegen des Coronavirus auf das nächste Jahr verschieben musste. Angesprochen auf seine langen Arbeitstage meint er: «Diese waren vor 20 Jahren noch nicht so dicht, doch das Unternehmen ist langsam grösser geworden und wir sind mit dem Pensum mitgewachsen.» Natürlich bleibe jedoch wenig freie Zeit für Hobbys wie sein Restaurant Olivo oder das Reisen, bestätigt der leidenschaftliche Motorbootfahrer und Flugzeugpilot. Doch es bereite ihm Freude, Patienten zu helfen ihr Augenlicht zu verbessern oder zu behalten. «Die Dankbarkeit, die insbesondere in Mexiko schon mal mit einer herzlichen Umarmung gezeigt wird, ist eine grosse Motivation», erzählt der 67-Jährige, der noch so lange weiterpraktizieren möchte, wie er Freude hat und es die Gesundheit zulässt.

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