Grossraumbüro-Lärm, Homeoffice-Stille

Jacqueline Straub, Journalistin, Theologin und Buchautorin.
         
         
            
               (Bild: Melanie Wetzel)
Jacqueline Straub, Journalistin, Theologin und Buchautorin. (Bild: Melanie Wetzel)

Können Sie sich noch erinnern, als in der Schweiz im Frühjahr 2020 während der Corona-Krise der nationale Notstand ausgerufen wurde? Wurden Sie daraufhin auch ins Homeoffice geschickt? Noch am Tag zuvor sass ich im Grossraumbüro. Mein Tischnachbar führte ein telefonisches Interview, meine Arbeitskollegin besprach ein Thema mit meiner Vorgesetzten. Ab und zu bellte der Hund einer Arbeitskollegin, der jeden Tag ins Büro mitkommen darf. Als Journalistin bin ich es gewöhnt, im lauten Newsroom oder im völlig überfüllten Zug zu arbeiten und meine Texte zu schreiben. Mit dem Laptop auf dem Schoss am Boden mitten in Menschenmassen zu sitzen, ist für mich kein Problem. Ich kann mich voll und ganz konzentrieren und alles andere für einen Augenblick ausblenden. Und plötzlich sass ich dann im Homeoffice. Da gab es keinen Lärm mehr. Einzig das Zwitschern der Vögel vor meinem Fenster. Keine Störgeräusche. Kein Stimmengewirr im Hintergrund, keine Telefone, die ständig klingelten. Auf einmal im Homeoffice nahm ich das Klingeln meines Handys und das Tippen auf der Tastatur viel bewusster wahr. Es fühlte sich zu Beginn gar gespenstisch an. Was ich in dieser Zeit lernen durfte: Manchmal tut es sogar sehr gut, rauszugehen aus all der Hektik und dem Alltagslärm, hinein in eine Ruhe, eine Stille, die für manche sogar beängstigend ist. Aber dennoch finde ich Stille grossartig. Sie entschleunigt mich. Sie konfrontiert mich auch mit meinen Gedanken. Wer rastet und Stille zulässt, kann Dinge hören, die einem sonst verborgen bleiben und gar nicht so auffallen. Wenn ich still werde, wird mein Herz manchmal ganz laut. Dann sagt es mir, was für Gefühle in mir sind, wovor ich Angst habe oder was mich richtig glücklich macht. Es kann hilfreich sein – nicht nur im Homeoffice – manchmal einen kurzen Augenblick zu rasten.

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