Schmerzhaft

Stefan Nünlist, Leiter Unternehmenskommunikation und Politiker. (Bild: Dominik Hetzer)

Letzte Woche haben wir vom Ende des Stadtanzeigers erfahren. Auch wenn ich um die Schwierigkeiten der gedruckten Zeitungen weiss: Trotzdem bin ich etwas betrübt, wenn etwas Liebgewordenes einfach verschwindet. Auf der einen Seite schmerzt es für die beiden Blattmacher Achim und Caspar. Sie und alle andern, die für den Stadtanzeiger arbeiten, haben einen tollen Job gemacht. Aber gegen den rasanten Wandel im Werbemarkt und die enorm gestiegenen Papier- und Stromkosten kommen sie nicht an. Auch dem Verleger ist es nicht zu verargen, dass er ein Verlustgeschäft einstellt. Schade ist das Ende des seit fast einem Jahrhundert bestehenden Stadtanzeigers aber auch für unser Städtchen und die Region. Mit diesem Blatt verschwindet nach dem Kolt und vielen andern Zeitungen zuvor eine weitere lokale, über unser Städtchen hinausragende, verbindende Oltner Stimme. Damit verliert die Stadt Olten nicht nur ihr offizielles Mitteilungsblatt, sondern auch ein Stück Identität. Wir haben zwar noch das Oltner Tagblatt, mögen Sie einwenden. Stimmt, aber das OT wird längst in Solothurn und Aarau gemacht. Und ich interessiere mich halt einfach mehr für den Zoff um das Kunstmuseum oder den neunzigjährigen Jubilaren aus Olten als für eine eiserne Hochzeit in Grenchen oder die GV des Turnvereins Zuchwil. Olten und der untere Kantonsteil verkommen zur medialen Wüste. Auch das Regionalradio der SRG sitzt in Aarau mit Zweigstelle in Solothurn, und Radio 32 sendet aus der Hauptstadt. Man kann argumentieren, wir Oltner sind selbst schuld, dass wir unsere neue Wohnung auf elektronischen Plattformen suchen anstatt im Stadtanzeiger. Auch das stimmt! Aber eine Region, in welcher Dialog und Auseinandersetzung nicht mehr öffentlich stattfinden, verliert an Zusammenhalt, an Gemeinsamem und damit an Bedeutung. Und das schmerzt für Olten und unsere Region.

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