28.12.2011

«Die Beratungsaufgaben sind komplexer geworden»

Die Familienberatung mit Sitz in Olten kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die StellenleiterinCaroline Wernli erzähltvom Angebot der Beratungsstelle und von deren Organisation.

Claudia Starling (v.l.), Deborah Schärli, Sandra Reber, Caroline Wernli, MonikaKyburz, Caroline Gisiger, Regina Willener. Es fehlen: Lisa Wirth, Margrit Bianchi,Mirjam Lingg und Susanne Ketelsen. mim)

Claudia Starling (v.l.), Deborah Schärli, Sandra Reber, Caroline Wernli, MonikaKyburz, Caroline Gisiger, Regina Willener. Es fehlen: Lisa Wirth, Margrit Bianchi,Mirjam Lingg und Susanne Ketelsen. mim)

Die Familienberatung mit Sitz in Olten kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Stellenleiterin Caroline Wernli erzählt vom Angebot der Beratungsstelle und von deren Organisation.

Mirjam Meier

Vor 74 Jahren wurde ein Zweckverband gegründet, welcher die Familienberatung ins Leben rief. Seit eineinhalb Jahren gehört die Familienberatung nun der Stiftung Arkadis an. Neben der Fachstelle Familienberatung ist an der Aarauerstrasse 55 ebenfalls die Fachstelle Mütter- und Väterberatung Kanton Solothurn zu finden. «Ich habe die organisatorische Leitung beider Fachstellen, arbeite aber durch meine Ausbildung als Sozialarbeiterin FH ausschliesslich in der Familienberatung», erklärt die 49-jährige Stellenleiterin Caroline Wernli. Neben Wernli arbeiten vier Sozialarbeiterinnen FH, von welchen die meisten eine Zusatzausbildung beispielsweise in systemischer Beratung/Therapie absolviert haben, in der Fachstelle Familienberatung. Die Fachstelle Mütter- und Väterberatung wird von drei ausgebildeten Pflegefachfrauen mit einer Zusatzausbildung zur Mütter- und Väterberaterin betreut.

Leistungsvereinbarungen ermöglichen den Zutritt

Seit den Änderungen im Sozialgesetz arbeiten die Fachstellen auf der Basis einer Leistungsvereinbarung. Dies bedeutet, dass die Gemeinden im Kanton Solothurn, welche das Angebot der Familienberatung oder das der Mütter- und Väterberatung nutzen möchten, die Leistungen einkaufen. Die Fachstellen Familienberatung und Mütterväterberatung haben somit Leistungsvereinbarungen mit den Sozialregionen Oberes Niederamt (Dulliken, Lostorf, Obergösgen, Starrkirch-Wil und Stüsslingen), Sozialregion Untergäu (Hägendorf, Wangen, Rickenbach, Boningen, Gunzgen, Fulenbach) und Olten/Trimbach (Olten, Trimbach, Winznau, Hauenstein-Ifenthal, Wisen) getroffen. Die Sozialregion Olten/Trimbach hat dabei das Angebot für die freiwillige Beratung (Familienberatung) nicht eingekauft, aber das Zusatzangebot der Fachstelle Mütter- und Väterberatung. Einwohner der SozialregionOlten/Trimbach melden sich somit im Beratungsfall beim Sozialamt im Stadthaus. Die Einwohner anderer nicht angeschlossener Gemeinden können die Beratung in ihrer Sozialregion beziehen.

Arbeit mit Kindern

«Selbstverständlich können uns auch Einwohner aufsuchen, welche in einer Gemeinde wohnen, die keine Leistungsvereinbarung mit uns hat, aber in diesem Fall trägt die Person die Kosten selber», erklärt Caroline Wernli. Viele Fälle der Vormundschaftsbehörde werden der Familienberatung übergeben. Daher haben die Sozialarbeiterinnen der Familienberatung vielmals mit Kindern zu tun. Mit Kindern, die beispielsweise aus unterschiedlichen Gründen der Schule fern bleiben oder mit Situationen innerhalb der Familie, in der Eltern und Kinder nicht mehr miteinander klar kommen. «Oftmals steckt hinter einem Vorfall, der das Kind betrifft, eine instabile Situation im Elternhaus. Streit des Elternpaars und/oder finanzielle Sorgen können einen starken psychischen Druck auf die Kinder zur Folge haben», erklärt Caroline Wernli. In diesen Fällen gilt es mittels Gesprächen, geeignete Lösungen zu finden.

 

Zusammenarbeit ist wichtig

In ihrem Arbeitsalltag erleben die Mitarbeiterinnen der Familienberatung eine grosse Vielfalt an Fragestellungen. Wie gehen sie mit den oft schweren Schicksalen um? «Einerseits führen wir monatlich eine interne Teamsitzung durch, in welcher Fälle und Lösungsansätze besprochen werden können. Andererseits sprechen wir uns auch unabhängig von der Teamsitzung ab und besuchen eine externe Person, welche uns berät», erklärt die Stellenleiterin. Zudem erachte sie den privaten Rückhalt als äusserst wichtig, um einen solchen Beruf ausüben zu können. Auch sei die Abgrenzung ein wichtiges Thema, denn man sei nicht verantwortlich für das Schicksal von anderen Personen, aber man könne sie begleiten und ihnen Lösungen aufzeigen, so Wernli. Die Stellenleiterin kam durch die Sekretariatsarbeit im Jugendamt in Basel in den Bereich Sozialarbeit. «Ich erkannte, dass die Sozialarbeit mein Beruf ist. So absolvierte ich während drei Jahren die Ausbildung an der Fachhochschule.» Anschliessend arbeitete sie 12 Jahre als Sozialarbeiterin in der Abteilung Kindes- und Jugendschutz in Basel und besuchte verschiedene Weiterbildungen. «In der Familienberatung arbeite ich seit sechs Jahren und leite die zwei Fachstellen seit zweieinhalb Jahren», erzählt Wernli. Und wie hat sich die Sozialarbeit in den letzten Jahren verändert? «Die Aufgaben sind komplexer geworden und stellen sich aus unterschiedlichen Problemen zusammen», weiss Caroline Wernli. Gibt es neue Projekte im 2012? «Ja, per 1. Januar wird die kantonale Fachstelle für Pflegekinder durch die Familienberatung aufgebaut», so die Sozialarbeiterin.

 

Der Stadtanzeiger widmet sich in einer folgenden Ausgabe einer einzelnen Fachstelle.

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