07.09.2011

Inmitten wilder Tiere

Am Montag,19. September ist der weltbekannte Freiburger Fotograf Michel Roggo für den Vortrag «Die Kamera im Krokodilmaul» zu Besuch im Naturmuseum Olten. Erberichtet über seine Erlebnisse als experimentierfreudiger Fotograf in tropischer Hitze, klirrender Kälte und mit wilden Tieren.

In Bern treffe ich den 60-jährigen Freiburger Fotografen Michel Roggo. Obwohl er sich in den letzten 25 Jahren unter anderem durch seine aussergewöhnlichen Fischfotografien weltweit einen Namen gemacht hat, ist der ehemalige Lehrer sehr bescheiden geblieben so sagt er gleich zu Beginn: «Ich bin Fotograf kein Abenteurer».

Vom Lehrer zum weltbekanntenFotografen

Erste mit 30 Jahren habe er begonnen zu fotografieren, erzählt Michel Roggo. «Das Unterrichten hat mir gut gefallen, aber daneben habe ich mich gelangweilt. So habe ich durch einen Kollegen mit dem Fotografieren begonnen und war sofort Feuer und Flamme», so Roggo. Zu dieser Zeit sei die Fotografie jedoch von jedermann betrieben worden und deshalb habe er eine andere Art zu Fotografieren und aussergewöhnliche Sujets gesucht. «Somit reiste ich mit 30 Jahren nach Kenia. Zuvor war ich nie im Ausland, konnte nicht Englisch sprechen und besass keine Kreditkarte», erzählt Roggo schmunzelnd. Meine ersten Bedenken zu seiner Aussage, er sei kein Abenteurer, machen sich breit.

Als dann auch das Auto stecken blieb und Roggo die 15 km im Busch zur Rancherstation zu Fuss zurücklegen musste, hatte er die Feuertaufe als Fotograf in der Wildnis bestanden. Fünf Jahre später reduzierte Michel Roggo seine Lehrtätigkeit auf 50 Prozent und weitere fünf Jahre später entschied er sich mit 40 Jahren, seinem «Hobby» als Fotograf professionell nachzugehen. Der Start in die Selbstständigkeit sei finanziell sehr hart gewesen. Erst die Spezialisierung im Süsswasserbereich habe ihm finanzielle Stabilität gebracht, erinnert sich Roggo zurück. «Heute lebe ich bescheiden, aber kann meine Ausgaben und Projekte selbst finanzieren», so Roggo. Seine Fotografien wurden unter anderen von renommierten Medien wie GEO, BBC Wildlife Magazine, Schweizer Familie, WWF Schweiz, Schweizer Fernsehen und Mare publiziert. Auftragsarbeiten erledige er jedoch selten, meist suche er sich ein Projekt aus und biete die Fotos danach den verschiedenen Medien an. «Die Zeit der grossen Fotoreportagen ist jedoch vorbei», erklärt der Fotograf.

Seine Grenzen ausloten

Was das Extremste gewesen sei, dass er bis anhin gemacht habe? «Dies sind vor allem die konkreten Arbeitssituationen gewesen, wie das Arbeiten unter dem Eis bei -15°C unter Null oder die Arbeit in der Wüste letzten November bei +40°C. Bei solchen Projekten sind die körperlichen Anforderungen sehr hoch», erzählt der Fotograf. Auch die Arbeit im Amazonasgebiet sei jeweils für den Körper sehr anstrengend. So sehe er nach einem Arbeitstag aus wie eine Leiche: Verdreckt und aufgedunsen von der hohen Luftfeuchtigkeit. «Für einen Fotografen ist es äusserst wichtig, auch nach Misserfolgen nicht aufzugeben. Selten trifft man in der Wildnis auf optimale Bedingungen und dabei gilt es, das Beste daraus zu machen. Der Fotograf beschreibt sich denn auch als beharrlich und manchmal übertrieben stur. Diese Eigenschaft führte Roggo drei Mal an die Ostküste von Kanada, um die atlantischen Lachse bei ihrer Wanderung zu fotografieren - erst beim dritten Versuch seien die Bedingungen optimal gewesen und die Bilder für den Fotografen gut genug. «Meine sehr konzentrierte, verbissene Art zu arbeiten, ist manchmal nicht leicht für Andere, so begleitet mich meine Lebenspartnerin sehr selten in die Wildnis», erzählt der Fotograf schmunzelnd. Früher habe er vermehrt auch das Abenteuer gesucht, heute fokussiere er sich hauptsächlich auf das Resultat und sei überlegter und vorsichtiger geworden. Wie sieht es mit dem Ruhestand aus? «Ich bin froh selbstständig zu sein und somit nicht pensioniert werden zu können, denn nicht mehr zu Arbeiten, stelle ich mir schrecklich vor. Meist fotografiert Roggo mit der selbst entwickelten Technik: Eine Unterwasserkamera wird mit einem Stativ in das Gewässer gestellt oder mit einer Stange im Wasser geführt. Via Kamera kann der Fotograf vom Ufer das Geschehen überwachen und den Auslöser betätigen. Erst kürzlich hat der 60-Jährige jedoch mit dem Schnorcheln begonnen und somit eine andere Art zu fotografieren entdeckt. «Vielleicht werde ich mit70 Jahren mit dem Tauchen beginnen», so Michel Roggo grinsend. Also keine Spur vom älter werden, aber auf jeden Fall deuten viele Hinweise auf einen Abenteurer.

Vortrag «Die Kamera im Krokodilmaul»;

Montag, 19. September um 20 Uhr im

Naturmuseum Olten

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