06.11.2013

Oltens Don Camillo

Stets für einen Scherz zu haben, so erstaunt es nicht, dass die Buch-Vernissage eine sehr heitere Veranstaltung war. mim)

Stets für einen Scherz zu haben, so erstaunt es nicht, dass die Buch-Vernissage eine sehr heitere Veranstaltung war. mim)

Pfarrer Hanspeter Betschart Ein Gespräch mit Pfarrer Hanspeter Betschart von der St. Martinskirche über Fasnacht, Merlot und weitere Heiterkeiten.

Mirjam Meier

Der 11. November stellt bekanntlich den Fasnachtsbeginn dar. Vor zwei Jahren veröffentlichte Pfarrer Hanspeter Betschart von der St. Martinskirche Olten mit «Liebe Schwestern, liebe Brüder, Fasnacht ist es heute wieder» seine Fasnachtspredigten der ersten zehn Jahre. Ein Pfarrer und die Fasnacht? «Ich bin in Hochdorf im Kanton Luzern aufgewachsen», erklärt Betschart augenzwinkernd, zudem sei bereits seine Mutter vom Fasnachtsvirus befallen gewesen und er habe bei der Martinizunft mitgewirkt. «Die Oltner Kirchen und die Fasnacht haben jedoch kaum Berührungspunkte», stellt Betschart fest und fügt lachend an: «Dies hat den Vorteil, dass die Pfarrer unbehelligt bleiben, dafür müssen die Stadträte herhalten.» Der Predigt am Fasnachtssonntag wollte Pfarrer Betschart trotzdem eine spezielle Fasnachtsnote verleihen und schrieb 1998 seine erste Knittelvers-Predigt.

Mit 26 Jahren dem Orden beigetreten

Nach dem Gymnasium absolvierte Hanspeter Betschart die Matura in Luzern und studierte darauf Theologie in Freiburg (FR). Beeinflusst von seinem Onkel und Grossonkel, die beide Kapuziner waren, trat Betschart mit 26 Jahren in Freiburg dem Orden bei. «Besonders mein Onkel war eine Persönlichkeit, die mich auf meinem Weg sehr beeinflusst hat», so Betschart. Es folgte ein weiteres Studium, das der alten Sprachen. Darauf unterrichtete er am Kollegium St. Fidelis, Mittelschule Nidwalden in Stans und später wurde er auch Lehrbeauftragter für alte Sprachen an der Universität Luzern. «Seither quäle ich zwei Halbtage pro Woche die Studenten in Altgriechisch und Latein», frotzelt Betschart schelmisch. Er schätze den Kontakt zu den jungen Leuten und die Abwechslung zu seiner pastoralen Tätigkeit. Ob er sich auch einen anderen Beruf habe vorstellen können? «Ein Mathematik-Studium hätte mich interessiert, aber ob ich ein ganzes Leben mit Mathematik glücklich geworden wäre, wage ich zu bezweifeln.» Hat er den eingeschlagenen Weg jemals bereut? «Im Alter zwischen 30 und 35 Jahren durchlebte ich eine Krise, als meine fünf Brüder härzige Frauen geheiratet und kurz darauf ebenso härzige Kinder bekommen haben. Das war keine einfache Zeit für mich. Heute hat sich das Blatt wieder gewendet», schliesst Betschart dann doch wieder schmunzelnd ab.

Seit 15 Jahren in Olten

«Ich hatte stets den Wunsch eine Pfarrgemeinde zu leiten. Da Olten über eine Klostergemeinschaft verfügt und damals grosser Bedarf herrschte, wurde ich nach Olten geschickt.» Der Kontakt zu den Mitbrüdern bestehe selbstverständlich, aber das Leben im Kloster und dasjenige im Pfarrhaus unterscheide sich, auch durch den Rhythmus. «Die Brüder stehen sehr früh auf und verrichten ihre Tätigkeiten. Bei mir wird es eher spät mit dem Aufstehen, dafür habe ich während manchen Wochen jeden Abend eine Sitzung. Dies kann belasten.» Einen fixen Tagesablauf habe er nicht, was er sehr schätze, aber Fixpunkte, wie der Gottesdienst und die Unterrichtsstunden an der Universität, seien gegeben. Während 10 Jahren hat Betscharts Tante ihm im Haushalt geholfen und gekocht. Seit rund vier Jahren habe er eine Gouvernante, die aber nicht mehr koche, fügt er bedauernd an. Er, der einem feinen Essen und einem Glas Wein kaum widerstehen kann. «Es ist wichtig eine Frau im Haus zu haben, die einem alten, ledigen Bub zwischendurch sagt, wenn mal wieder ein neues Hemd fällig wäre», meint Betschart lachend, der während sechs Jahren als Radioprediger «on air» war. Der 62-Jährige hat ein sonniges Gemüt und stets Schalk in den Augen. Ja, selbstverständlich habe auch er schlechte Tage, aber mit einem gesunden Grundstock ertrage man diese. Ausserdem, Trottel und Mondphasen gebe es immer.

Vielschreiber für einen guten Zweck

Pfarrer Betschart hat, als einer der Ersten, ein Buch über Franziskus von Assisi aus dem Latein ins Deutsche übersetzt und darüber hinaus in den letzten Jahren in seinem eigenen «Martins-Verlag Olten» diverse Schriften publiziert. Nach den Knittelversen vor zwei Jahren erschien nun das dritte Buch «Don Camillo am Merlot-Teich» im Knapp Verlag. «Der Reinerlös der drei Bände fliesst in das15-jährige libanesische Sozialzentrum-Projekt für geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene in Taalabaya», erklärt Betschart. Der dritte Band enthält heitere Erzählungen aus dem Alltag des Oltner Pfarrers, die sich teils auch auf das berühmte und legendäre Grotto im Keller des Pfarrhauses und den dort lagernden Tessiner Merlot beziehen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

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