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09.05.2018

«Wir machen einfach, worauf wir Lust haben»

Die Bühne in Olten SüdWest steht für den Startschuss am 22. Mai: Gründungsmitglieder Brigitt Maag (l.) und Paul Weilenmann sind auch nach 32 Jahren Erfahrung nervös vor der Premiere: «Schliesslich wollen wir Olten zeigen, was wir haben.» (Bild: vwe)

Die Bühne in Olten SüdWest steht für den Startschuss am 22. Mai: Gründungsmitglieder Brigitt Maag (l.) und Paul Weilenmann sind auch nach 32 Jahren Erfahrung nervös vor der Premiere: «Schliesslich wollen wir Olten zeigen, was wir haben.» (Bild: vwe)

Karl’s Kühne Gassenschau spielt ab dem 22. Mai wieder in Olten SüdWest. Zeit mit den Gründungsmitgliedern Brigitt Maag und Paul Weilenmann einen Blick zurück auf ihre 34-jähriges Theaterwirken zu werfen.

Viviane Weber

Aus einem kleinen Strassenvariété wurde das erfolgreichste und aufwendigste Freilichttheater der Schweiz. Aus einmonatigen Planungen entwickelten sich mehrjährige Konzepte. Aus einer Handvoll Schauspieler entstand eine hundertköpfige Theater-familie. Wäre die «Gassenschau-Geschichte» nicht passiert, müsste man sie fast erfinden. In so unglaublichen Dimensionen hat sich das Projekt «Karl’s Kühne Gassenschau» in den letzten 34 Jahren entwickelt.

Von der Hand in den Mund

Ein Business-Plan habe dabei nie bestanden. «Wir hatten einfach Spass am Strassentheater und lebten völlig unbeschwert von der Hand in den Mund», erinnert sich Gründungsmitglied Brigitt Maag an die Anfangszeiten in den 80er-Jahren. Sie hätten sich nie erträumt, dass etwas Längerfristiges daraus entstehen würde. «Ich dachte stets, dass ich irgendwann in meinen Primarlehrerberuf zurückkehren würde», meint Paul Weilenmann, ebenfalls eines der vier Gründungsmitglieder. Gelebt habe die Truppe damals von den Kollekten der Zuschauer. «Dadurch entwickelten wir ein gutes Gespür dafür, was beim Publikum ankommt beziehungsweise was eben nicht, und veränderten unsere Stücke jeweils dementsprechend. Schliesslich sahen wir sonst mit den Zuschauern unser Znacht davon laufen», erinnern sich die beiden lachend.

Grenzen sprengen

Diese starke Selbstreflexion ist den «Gassenschaulern» bis heute nicht abhandengekommen - trotz anhaltendem Erfolg. «Wir entwickeln unsere Stücke auch während den Tourneen stetig weiter», meint Maag und fügt schmunzelnd an: «Paul hat immer einen Block dabei, um allfällige Verbesserungsmöglichkeiten zu notieren.» An Tatendrang mangelt es den Gründungsmitgliedern nicht. Und dies nach immerhin 34 Jahren und 22 Bühnenstücken. «Unser Wille ist ungebrochen, etwas aussergewöhnliches auf die Bühne zu bringen und bisherige Grenzen zu sprengen.» Diesem Anspruch gerecht zu sein, wird jedoch nicht einfacher. Schliesslich haben die beiden Mitgründer, welche als Produzenten sowie als Schauspieler fungieren, die Latte in den letzten Jahren mit ihren Kassenschlagern «Fabrikk», «Silo8» oder dem eindrücklichen Wasserspektakel «Akua» hoch angesetzt. «Ein gewisser Druck ist da, das bisherige Niveau zu halten. Allerdings muss keineswegs immer alles noch grösser und höher sein», so Weilenmann und fügt an: «Grundsätzlich machen wir einfach das, worauf wir Lust haben.» Der inhaltliche Aspekt der Stücke habe im Laufe der Zeit jedoch zugenommen. «Zentral ist für uns nach wie vor das Kreieren von starken und eindrücklichen Bildern. Diese sollen aber ein gesellschaftsrelevantes Thema ansprechen, das uns wichtig ist», so Weilenmann. Meist würden die Ideen dafür aus dem Alltag entstehen. «Wenn mich ein Thema lange beschäftigt und nicht mehr loslässt, birgt es Potenzial», erklärt Maag.

Den ganzen «Müll» vor Augen führen

Das aktuelle Stück «Sektor 1» sei aus dem Gefühl heraus entstanden, überfordert zu sein.
«All dieser Müll aus Nachrichten über Klimawandel, Migration etc. prasselt ständig auf uns ein. Gleichzeitig vermüllen wir selber ständig unser Umfeld», sinniert Weilenmann und Maag meint: «Wir überlegten uns, was passiert, wenn uns dieser ganze Abfallberg vor Augen geführt wird, und wie die Welt vor dem ökologischen Untergang gerettet werden kann.» Dafür seien Regeln zwar sicherlich nötig, aber wie weit können diese gehen? «Schliesslich soll der Mensch dabei immer noch Mensch bleiben dürfen», meint Weilenmann. Diese thematische Diskrepanz wird in «Sektor 1» gewohnt bildgewaltig, imposant und actionreich beleuchtet - ohne dabei moralisierend zu wirken. «Wir wollen lediglich aufzeigen, wie wir es empfinden. Die Zuschauer nehmen dann den Aspekt mit, den sie wollen», sagen die Gründungsmitglieder. Ab dem 22. Mai gastiert «Karls Kühne Gassenschau» mit ihrem aktuellen Programm im Olten Südwest - nach 2008/09 und 2013/14 bereits der dritte Besuch in der Dreitannenstadt. «Olten ist nicht nur verkehrstechnisch gut gelegen, sondern wir erfahren hier immer viel Unterstützung von der Stadt», so Weilenmann und ergänzt lächelnd: «Ausserdem ist bei unserem ersten Besuch meine Tochter hier zur Welt gekommen.» Aktuell sind Shows bis Ende Juli geplant. Obwohl schon einige Abende ausverkauft sind, gibt es nach wie vor Tickets.

«Sektor 1»
Olten Südwest
ab Dienstag, 22. Mai, jeweils 20.15 Uhr

www.sektor1.ch

 

 

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